13.05.2013 Danke!!!!!!

Danke

  • An alle Leser meines Blogs. Dieser war ursprünglich nur für die Familie und Freunde gedacht. Doch wurde die Lesergemeinde immer größer und ich hatte Follower sogar im befreundeten Ausland.
  • An alle fleißigen Kommentarschreiber. Durch euch hatte ich das Gefühl, dass ich nicht in das Nichts hineinschreibe. Ihr habt mich immer zum Berichten angespornt, auch wenn ich oft genug müde darnieder lag.
  • An Reinhard, ohne den es den Blog nicht gegeben hätte. Meine oft in übler Form übermittelten Texte und Fotos hat er aufgehübscht und einen tollen Blog daraus gemacht. Als er selber im Himalaya umherwanderte, erledigte Lore den Job weiter. Auch ihr ein herzliches Dankeschön.
  • Ein noch größeres geht an Sibille, da sie dies alles im „Stillen mitgemacht“ hat.
  • An Kathi und Tim, da sie mich in der Sambesi-Sektion so nett begleitet haben und mich mein Heimweh für eine Zeit haben vergessen lassen.
  • An Hubert und Roger, zwei wunderbare Menschen aus der Schweiz. Von dort kannte ich bislang nur Wilhelm Tell und den Emil Steigenberger. Aber die sind nicht so real. Normalerweise kann man in so kurzer Zeit keine Freundschaften schließen. Aber in dieser Ausnahmesituation ist das doch der Fall. Ich bin sehr froh, euch kennengelernt zu haben und hoffe, dass die Freundschaft andauert.
  • An Dennis K., der mir durch seine Erfahrung wertvolle Tipps gegeben hat. Nicht zu viel auf einmal, sondern immer in dosierter Form
  • An Uli Jürgens, meinen ‘Fahrraderbauer’ aus Fürstenberg. Er hat mir mit dem ‘TOUT TERRAIN’ ein sehr zuverlässiges Bike bereit gestellt. Neulich sagte Catalin, einer unserer beiden ‘mecanics’ bei einer Inspektion: ‘ I like your Bike. It’s simple and reliable’.

Meine Reifen waren: ‘Schwalbe Marathon Mondial‘ und ich hatte nur einen Platten unterwegs im Sudan und vier im Camp (durch Dornen oder Reifenreste) zu beklagen. Der Schnitt bei den anderen lag zwischen 10 und 20 Reifenpannen.

  • An das Team vom ‘OUTDOORPLACE‘ in Borgentreich- Körbecke, das mich mit allen notwendigen Dingen ausgerüstet hat, die für eine solche Extremtour notwendig sind.
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13.05.2013 Teil IV Diamond Coast

Freitag, 10.05. von Elands Bay nach Yzerfontein 142 km 612HM

158 km – alles Offroad – hätten es sein sollen. Jetzt sind es 16 km weniger und der Offroadanteil ist gering. Die erste Variante hätte ein echter Stolperstein sein können, so ist es ein normaler Tag. Ich kann beruhigt schlafen und brauche keine Frühstartervariante wählen.
In der Tat ist der Offroad-Anteil mit 20 km überschaubar. Am Vorabend sagt man uns, dass wir gefälligst Gas geben sollen und das Rider-Meeting schon um 16:00 Uhr stattfände. Also Stress bis zum Ende. Ausruhen kann ich mich ja zu Hause.
Keine Ahnung, warum es diese verordnete Hast gibt. Es ist dann eine Preisverteilung auf die lustige Art: Eigenarten von uns Ridern werden aufs Korn genommen und jeder bekommt sein Fett weg. Manche werden echt rot, als sie anzügliche Unterwäsche oder Waschmittel überreicht bekommen. Ich kriege zusammen mit Italo und Kiwi John Duftstäbchen geschenkt, mit dem Hinweis, dass wir pflegeleicht seien und uns nie beschweren. Also: Kurt unauffällig wie immer. Jeder kriegt noch ein Radtrikot von der TdA geschenkt. Darin sollen wir morgen in Cape Town einrollen.

IMG_9544_800x600Danach geht es zum ‘Nachtessen’, wie Roger sagt, auch wenn es erst 17:00 Uhr ist. Es ist das leckerste Essen der ganzen Tour: Fisch, Muscheln, Garnelen und Hummer. Da dies nicht jedermanns Sache ist, bleibt genug übrig und ich esse mich dumm und dämlich.

IMG_9550_800x600Als ich schon die Matratze abhorche, singt der junge Phil zur Gitarre ein Lied, von dem ich nur den Refrain verstehe ‘...on our way to Cape Town’.

Am letzten Abend soll er es noch einmal beim Abschiedsdinner zum Besten geben.

Samstag, 11.05. von Yzerfontein nach Capetown 61 km und 31 km im Konvoi

Magisches Datum – darauf habe ich hin gearbeitet. Jetzt heißt es, das letzte Mal die Radklamotten überstreifen, das letzte Mal das klatschnasse Zelt zusammenrollen und überhaupt – alles zum letzten Mal machen….

IMG_9553_800x600Während der ganzen morgendlichen Fahrt sehen wir unser Ziel vor Augen: den Tafelberg von Cape Town – eines der 7 neuen Weltwunder. Zusammen mit Sybille und Roger rolle ich in Kreft-Bay ein. Auf dem Programm steht: Lunch – Photos on Beach – Line up for Convoy – Convoy starts. Ab jetzt muss alles klappen, tut es aber nicht.

IMG_9579_800x600Polizeieskorte mit Wagen und Krädern stoppen wieder. Grund: Bridget hat einen Platten und Tessas Kette ist gerissen. Beide Damen kommen aus Südafrika und viele Zuschauer sind nur für die beiden hierhergekommen. Mit Verspätung fahren wir nach Cape Town rein, ein absolut geiles Gefühl. So wie die ‘Tour de France’ auf den Champs Elysées endet, so führt uns die Tour d’Afrique ins Zentrum von Cape Town, an die Waterfront.

IMG_9597_800x600Mir wird das Fahrrad abgenommen, ich werde um ein paar Straßenecken auf eine Empore mit einem Büffet geleitet. Nach der Kräftigung werden wir nach Nationalitäten aufgestellt, Volker, mit 70 unser Ältester, bekommt die deutsche Fahne in die Hand gedrückt und zur Musik einer Band gehen wir auf eine Bühne.

IMG_9592_800x600Die Ordnung bleibt nicht lange bestehen. Ausgelassen hüpfen wir über die Bühne und sprengen die vorgegebene Ordnung. Gottseidank kurze Reden, dann Medaillen für die ‘Full-Tour-Rider’ und dann bekomme ich vom Tour-Chief Ciaran die ersehnte ‘EFI- Medaille’ umgehängt.

EFI for ever

Eine Zentnerlast fällt von mir ab. Natürlich habe ich ‘Every Fabulous Inch’ vor Tourbeginn im Auge gehabt. Doch das war, bevor ich den ersten Kilometer von knapp 12000 abgestrampelt habe.

IMG_9599_800x600Nicht zuletzt durch eure Anfeuerungsrufe ist der Druck immer größer geworden und ich war bereit, um meine ‘kapriziöse Kurtisane’ zu kämpfen. Da ich von größeren Stürzen und Krankheiten verschont geblieben bin, hatte ich auch das Glück, mein Ding durchzuziehen.

Wenn ich mich im Kreis der EFIs umschaue, dann sind es vor allem die leistungsstarken jüngeren Fahrer. Etwas mehr als eine Handvoll Ü-50-Fahrer bleiben übrig, doch ich bin der absolut Älteste unter ihnen.

IMG_9565_800x600Natürlich macht mich das stolz, da ich das von mir selbst nicht geglaubt hätte. Auch wenn am Ende nicht zu übersehen war, dass ich kräftemäßig am Ende war, so haben mir viele Mitradler Mut zugesprochen und Anerkennung gezeigt.

IMG_9625_800x600Das tut gut und setzt neue Kräfte frei.

Mit einigen Ausnahmen bin ich eigentlich nicht an meine Grenzen gegangen. Trotzdem bin ich froh, dass es jetzt vorüber ist und ich ausruhen kann.

Mein Tag geht weiter mit Locker im Truck leeren, Hotel beziehen, wo ich zwei Nächte verbringen werde, Duschen und ‘Chic machen’ für das Abschlussdinner in einem Club. Es gibt ein chices Dinner und eine Bildshow mit Beamer, die uns noch mal im Zeitraffer die gemeinsam verbrachten vier Monate vor Augen führt. Es gibt viel zu lachen, erkennen wir uns doch alle in den heftigsten und lustigsten Momenten wieder.

Danach habe ich Lust zu tanzen und nehme den letzten Shuttle um 0:30 Uhr.

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11.05.2013 Cape Town – Finish

IMG_9552_800x600They did it!!!!!!
Schlusszeremonie in der Waterfront

We-did-itSchlussszeremonie in der WaterfrontWell-earned reward

Well-earned-rewardsKurt mit Efi-MedailleIMG_9617_800x600IMG_9623_800x600Weitere Bilder von der Siegerzeremonie:

Verpacken der Räder

Verpacken der Räder

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09.05.2013 Teil III Diamond Coast

Montag, 06.05. von Felix Unite nach Springbok 133 km

Ausgeruht und gut gelaunt legen wir die paar km bis zur Grenze zurück. Die modernste Grenze bislang verursacht keine Wartezeiten und wir beradeln eine Mondlandschaft.

IMG_9532_800x600_800x600IMG_0297Hinweisschilder zu Bergwerken beflügeln meine Phantasie. Hier wird keine Kohle gefördert, sondern Gold und Diamanten. Noah, einer unserer Truckfahrer, sagt, dass man hier Gold und Diamanten auch im Freien finden kann. Schade, dass mein Zeitbudget keine Suche zulässt.

Dienstag, 07.05. von Springbok nach Gareis 117 km 1021HM

Wir beziehen ein Camp, wie immer in Südafrika. Säufergestalten, die mir schon vorher im Supermarkt aufgefallen sind und die mich um eine milde Gabe gebeten haben, umlagern den Zaun. Es heißt also wachsam sein und Zelt und Fahrrad im Auge behalten.

Mittwoch, 08.05. von Gareis nach Strandfontein 162 km 1400HM

‘Offroad and Pavement are mixed’, hieß es beim Rider-Meeting. Die 28 km Offroad halten sich in erfreulich kleinen Grenzen und auch der Crosswind fügt weiter keinen Schaden zu. Bis die Straße einen scharfen Rechtsknick macht und mir der Wind vom Meer scharf ins Gesicht bläst. Aus der erhofften verbleibenden einen Stunde werden vermutlich zwei.

IMG_0546Dann überholt mich Maurice und wir fahren Windschatten. Als ich ihn überhole und ablösen will, wird er fast böse und schickt mich wieder ins zweite Glied. Er sagt, ich solle mich schonen für die kommenden Aufgaben. Er möchte mein Domestike sein, auch Wasserträger genannt. So rollen wir nach einiger Zeit in Springfontein ein und sehen den Atlantik – die Ost- Westdurchquerung von Afrika ist geschafft.

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Die Ankunft ist emotional: Schulterklopfen, High-Five-Abklatschen und Umarmungen.

Es liegt nicht nur am Atlantik. Allmählich wird uns bewusst, dass wir nur noch einige wenige Tage zusammen sind und das große Abenteuer zu Ende geht.

Donnerstag, 09.05. von Strandfontein nach Elands Bay 73 km 269HM

Das ist ja fast nichts. Dafür aber heftig. Die Strecke hat noch mal alles in peto, was ich in den vier Monaten lieben und schätzen gelernt habe: Waschbrettpiste, die nicht nur den Verstand rein wäscht, mit Sand und Kies gefüllte Löcher und spitze Steine.

IMG_9903Freiwillig werde ich solche Wege nie wieder fahren, schwöre ich mir. Jedoch schon zur Mittagszeit biegen wir in die Elands Bay ein. Schön viel Freizeit und der drittletzte Tag.

IMG_0569Jan schreibt, dass die diesjährige Vatertags tour ein wenig anders als sonst aussehen wird. Recht hat er. Im Übrigen hatte ich diesen Ehrentag der Väter glatt vergessen.

Freitag, 10.05. von Elands Bay nach Yzerfontein 142 km 612HM

158 km – alles Offroad – hätten es sein sollen. Jetzt sind es 16 km weniger und der Offroadanteil ist gering. Die erste Variante hätte ein echter Stolperstein sein können, so ist es ein normaler Tag. Ich kann beruhigt schlafen und brauche keine Frühstartervariante wählen.

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09.05.2013 Philosophisches und Pädagogisches

See Africa….by the eyes of a child

‘Kurt, ist dir eigentlich klar, wo wir gerade sind?’

Diese Frage stellte mir Hubert beinahe jeden Tag. Meist traf sie mich unvorbereitet und unausgeschlafen. Hatte ich mich aber einmal darauf eingelassen, muss ich zu geben, bot sie unglaublich viel Potential zum Nachdenken und Staunen.

IMG_0512Nichts, von all dem, was wir gesehen haben, war normal und alltäglich. Alles war ungewohnt, neu und überwältigend.

Huberts große Stauneaugen zeigen diese Fähigkeit, Dinge neu zu bewerten und nicht zum Tagesgeschäft überzugehen.

IMG_0367Eigentlich sind es nicht nur die Augen, sondern das Herz, mit dem wir alles aufnehmen.

Genauso wie der kleine Prinz gesagt hat:. ‘On ne voit bien qu’avec le coeur.’

Was soll das Ganze? Was hab’ ich davon?

  • Diese Fragen stellen Schüler gerne, wenn sie den Bezug und den Vorteil für ihre Person nicht einsehen.
  • Dann ist ein Lehrer gut beraten, sich eine Begründung für sein Tun zurechtzulegen.
  • Da ich gerade im Lehrermodus bin, begründe ich mein Tun mit einem einfachen Satz mit Subjekt, Prädikat und Objekt:

Kurt radelt durch Afrika

Kurt = Subjekt

Dieses Abenteuer ist natürlich eine subjektive Geschichte. So sehr ihr auch an meinem Schicksal Anteil nehmt, so sehr bin ich mit meinem Tun doch allein. Jeden Kilometer strampele ich alleine ab. Jedes Bild, jede Begegnung nehme ich in mir auf und werde sie zu einem Gesamteindruck verarbeiten.

IMG_0493radelt = Prädikat

Das Hohelied auf das ‘Radeln’ habe ich schon gesungen. Die Geschwindigkeit ist dazu angetan, den Kontinent mit all meinen Sinnen in mir aufzunehmen. Die Menschen am Straßenrand merken sehr wohl, wenn ich sie anschaue, ihnen zuwinke oder ein ‘Good morning,little girl’ oder ein ‘Zumgu’ zurufe. Der Dank sind gebleckte Zähne und ein Paar strahlend weiße Augen. Je jünger unsere Zuschauer sind, desto lauter skandieren sie.

IMG_0383Seit Botswana sind uns allerdings die Zuschauer ausgegangen. Auch Namibia und Südafrika sind beinahe menschenleer und mir bleibt nur die mehr oder weniger einladende Landschaft.

Nach vier Monaten Radeln bin ich fit aber müde. Die Tagesleistung liegt zwischen 100-200KM, d.h. das Tagesgeschäft findet auf der Straße statt.

durch Afrika = Objekt (grammatisch nicht ganz richtig)

IMG_0034Afrika hat mich schon als Schüler interessiert, wahrscheinlich wegen seiner Exotik. Ich kannte bisher nur den Maghreb und Ägypten. Dass ich nun den Kontinent von Norden nach Süden und von Ost nach West auf diese spektakuläre Art durchqueren darf, ist natürlich ein Traum. Ich habe viel gesehen und mir ein eigenes Bild gemacht. Dazu kommen noch viele Gespräche, vor allem mit Kathi. Am Anfang der Reise habe ich eine Eloge über jedes Land, das ich bereist habe, gehalten. Doch dann wurde das Reisetempo so schnell, dass ich mit der Beurteilung nicht mehr hinterher kam.

IMG_0301Loslassen wird mich dieser Kontinent jedenfalls so schnell nicht.

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05.05.2013 … persönliche Gedankenspiele und Biker-Mentalitäten

Liebe Kollegen…..und..innen

Ich denke an euch.

Nicht mit Wehmut… und nicht mit Schadenfreude….einfach nur so.

Wenn ich stundenlang daher pedaliere und das Auge nichts mehr zu sehen hat und der Verstand nichts mehr zu denken, dann …gucke ich auf meine Uhr und weiß:

  • 06:30Uhr        Aha, Sibille macht sich fertig für die Schule.
  • 08:01Uhr         Wer kommt da noch die Treppe raufgehetzt?
  • 09:35Uhr         ‘Erste große Pause’ Ich versuche, mir die Reihenfolge des Erscheinens im Lehrerzimmer vorzustellen.
  • 09:52Uhr         ‘Erste große Pause ist lange zu Ende’. Wer sitzt denn jetzt immer noch    im Lehrerzimmer? Es hat sich echt nichts geändert, seit ich nicht mehr da bin.

Gibt es eine Zeitverschiebung zu Deutschland, dann baue ich die auch noch ein. Ich muss ja etwas unternehmen gegen den geistigen Verfall. Auf jeden Fall seid ihr mir eine Hilfe, meinen Tag zu strukturieren.

The Race

Als im Januar ein Vorbericht über meine Tour in der ‘Neuen Westfälischen’ erscheint, ruft schon am nächsten Tag eine Redakteurin von ‘SAT 1′ bei uns an und sagt, dass sie gerne einen Bericht über mich und das ‘…längste und härteste Radrennen der Welt’ machen möchte. (So stand es in der Zeitung und so ist auch der Wortlaut in der Ausschreibung des Veranstalters).

Ich bekomme einen Schrecken und versuche richtig zu stellen, dass ich zwar an der Tour d’Afrique teilnehme, aber nicht als Rennfahrer. Mein einziges Bestreben sei es, am Ende in Kapstadt anzukommen und unterwegs so viel von Afrika zu sehen wie möglich.

Die Stimme am anderen Ende klingt inzwischen schon sehr viel weniger interessiert und wir verabschieden uns auf unbestimmt.

In Kairo lassen sich ca. 80% der Teilnehmer am Tag vor dem Start einen elektronischen Chip geben, den sie um den Hals tragen. Sie wollen am Rennen teilnehmen und sich ihre jeweilige Tagesfahrzeit attestieren lassen und in einer Rangliste erscheinen.

Dazu loggen sie sich am Start ein und am Ziel wieder aus. Der Tagessieger wird an jedem Tag mit einer Plakette geehrt und erhält Beifall.

Die meisten Radfahrer sehen ihre Teilnahme dabei ganz locker. Sie können oder wollen nicht in die Entscheidung eingreifen, sondern nur mal sehen, wo sie im Vergleich mit anderen stehen. Dabei steigt allerdings der Ehrgeiz im Verlauf der Fahrt, da viele eine persönliche Verbesserung spüren.

Dann gibt es noch einen harten Kern der ‘Racer’, der mehr oder weniger gleich bleibt. Sie fahren ganz cool nach den anderen los und rollen das Feld der meist einzeln Fahrenden von hinten auf. Diese etwa 4-8 Fahrer bleiben meist zusammen und verschärfen zum Schluss das Tempo und es kommt zu einem Endspurt – wie bei den Großen. Auf Teer fahren diese Renner einen Schnitt von über 30 km/h und Offroad immer noch weit über 20 km/h.

Manche Tage kann man als Streichergebnis nehmen, ‘Mandatory-Days’ sind hingegen Pflicht.

Wer den sportlichen Renncharakter im Vordergrund sieht, findet hierbei seine Erfüllung. Ich bezweifle allerdings, dass sie bei diesem Vorbeiflug viel von Afrika mitbekommen.

Veröffentlicht unter 9. Namibia | 8 Kommentare

05.05.2013 Teil II Diamond Coast

Dienstag, 30.04. von Sesriem nach Betta 139 km 819HM

Ich bin noch unter dem Einfluss des verführerischen Lebens in der Edellodge, wo ich am abendlichen Buffet teilnehme und Köstlichkeiten esse, die ich lange nicht mehr oder noch nie gegessen habe wie: Zebra, Springbock, Strauß, Kudu, Impala, Warzenschwein usw. .

Am Morgen kommt Roger vorgefahren und teilt mir mit, dass er immer noch unpässlich sei und ich mache mich etwas spät auf den Weg. Es soll der bislang härteste Tag für mich werden.

IMG_9481_800x600Waschbrettpiste, Löcher mit Sand und Kies gefüllt, kenne ich schon. Dazu kommt ein kräftiger Headwind, der mir den Schweiß auf die Stirn treibt, bevor die Sonne richtig heraus ist. Am Vormittag komme ich sonst immer mit zwei Wasserflaschen aus. Heute nicht. Alle vier Versorgungswagen sind schon vorbei und ich weiß nicht, wie ich Nachschub bekommen kann. In meiner Not stoppe ich nacheinander zwei Jeeps, die sich selten genug auf dieser Rüttelpiste zeigen und sage:’ Sorry, I ran out of water.’ Vom ersten bekomme ich nur ein winziges Fläschen, der zweite hat einen ganzen Wasserbottich parat und ihr fülle alle Flaschen damit auf. Trotzdem komme ich am Lunchstop bei km 72 mit dem letzten Wassertropfen an. In Panik breche ich um13:00 Uhr wieder auf, da ich mir ausrechne, dass ich mit gleichbleibend 12 km/h nicht vor 18:00 Uhr und einbrechender Dunkelheit ankomme. Dieses Gefühl, nicht rechtzeitig anzukommen, befällt mich zum ersten Mal. Ich hatte es so auch nicht bei meinem Parforceritt über 207 km. Es wird sehr hügelig, doch der Weg ist fester und ich steigere den Schnitt auf 15 km/h. Völlig alle erreiche ich den Ort Betta, der nur aus der ‘Caltex Gas Station’ und einem Kiosk besteht. Es ist 17:30 Uhr und im Camp wird gerade das Rider-Meeting (gesprochen:’raida mietin’) abgehalten. Sandra und Roger eilen zu Hilfe und schleppen meine schwere Tatonka-Tasche, da ich nicht so aussehe, als dass ich sie alleine tragen könnte. Ich lasse mich auf einen Stuhl fallen, schütte zwei Flaschen Bier in mich rein, esse wenig und baue mein Zelt erstmals in der Dunkelheit auf. Sofort lege ich mich schlafen.

Mittwoch, 01.05. von Betta nach Konkieplapa 153 km 829HM

Der heutige Tag ist um 14 km länger -alles Offroad- und bei gleicher Geschwindigkeit bin ich zu spät im Camp.

IMG_9508_1400x1050Also wähle ich die Frühstartervariante und mache mich wieder in aller Stille und ohne Frühstück auf den Weg. Dies nehme ich in Form von einem Brownie, Schokoplätzchen, Mäusespeck und zwei Bananen zu mir. Alles habe ich mir schon im Kiosk am Vorabend organisiert. Ich strampele sehr konzentriert. Der Gedanke, der erste zu sein, beflügelt mich. Vor mir spielen junge Kojoten auf der Straße. Als sie mich erblicken, verstecken sie sich kurz und verfolgen mich dann. Warten sie auf leichte Beute? Dafür fühle ich mich noch viel zu stark. Bei km 30 überholt mich der Tour erste Pascal und wundert sich, dass ihm jemand seinen Premium-Platz streitig macht. Es geht ruppig aber zügig weiter.

IMG_9484_640x480Bei km 103,5 komme ich nach Helmeringhausen. Bin ich jetzt im Sauerland? Nein, aber in einer im 19. Jahrhundert von Sauerländern gegründeten Dependance. Das Hotel Helmeringhausen verspricht die leckerste Apple-Pie von Namibia. Ich bin jedoch nicht cool genug für diese Verführung und genehmige mir nur eine Cola und ein Magnum-Eis im Kiosk gegenüber.

IMG_9483_800x600Gestärkt geht es auf ‘good Pavement’ weiter. Mit Tempo 30 – 40 km/h fliege ich schon um 15:00 Uhr in Konkieplapa ins Camp. Roger ist mit dem Dinnertruck gefahren und holt mir sofort ein Bier. Schon um 18:00 Uhr liege ich in der Falle.

Donnerstag, 02.05. von Konkieplapa nach Seeheim 126 km 457HM

Unser hartes Offroad-Schicksal wird für einen Tag durch meist Teerstraße aufgehellt und schon um 13:00 Uhr schweben Roger, der heute wieder in die Tour eingestiegen ist, und ich in Seeheim ein.

IMG_9490_640x480Hier campieren und logieren wir in und um ein schloss ähnliches Gebäude, das von Holländern geführt wird. Dies ist der Ausgangspunkt zum ‘Fish-River-Canyon’ , den wir morgen mit dem Velo entlang radeln werden.

Freitag, 03.05. von Seeheim nach Canon Roadhouse 93 km 457HM

Am Vorabend sitzen wir noch lange zusammen und feixen über die Kürze der kommenden Etappe. Ich sollte endlich lernen, demütiger zu werden.

Nach einem anfänglichen steilen Anstieg wird die Straße eben, schnurgerade und mit festem Untergrund. Es geht voran. Pünktlich um 8:00 Uhr stellt der Windgott die Düse an und bläst mir frontal ins Gesicht mit einer Stärke, die ich nur von der Nordseeküste kenne. Wütend stemme ich mich dem Frontalangriff entgegen, doch meine Kraft ist schon lange endlich. Die Geschwindigkeit wird einstellig. Roger steigt beim Lunch bei km 65 aus, doch ich muss weiterkämpfen. Es ist das erste Mal, dass mir an der Sinnhaftigkeit meines Tuns Zweifel kommen. Warum tue ich mir das eigentlich an? Doch die verbleibenden knappen 30 km sind ‘endlich’ und meine Sinnkrise geht wieder vorbei. Nicht aber die Zweifel, die morgige Etappe ohne den Verlust meiner EFI- Unschuld zu überstehen.

Samstag, 04.05. von Canon Roadhouse nach Felix Unite 172 km 755HM

132 km Offroad und 40 km geteert – die längste Offroad-Etappe der Tour steht an. Diese Länge ist bei den Windbedingungen von gestern nicht zu schaffen. Um 4:00 Uhr wache ich auf. Windstille. Ich ziehe mich an und warte in meinem Zelt liegend auf den Morgen. Als ich das Zippen der Reißverschlüsse höre, stehe ich auf, erledige routiniert den Rest und verschwinde im Schutz der weichenden Dunkelheit. Ich stecke voller Adrenalin und gehe schon jetzt an mein Limit. Pünktlich um 8:00 Uhr setzt der Wind ein, doch nicht mehr so kräftig und nicht mehr so frontal wie gestern. Es gibt viele Downhill-Passagen und ich fliege dem Lunchtruck bei km 90 entgegen, den ich schon um 10:30 Uhr erreiche. Mein Herz fliegt mit. Bin ich mir doch jetzt schon fast sicher, auch den heutigen Tag unbeschadet zu überstehen.

IMG_9511_1400x1050Roger steigt erst nach dem Lunch ein und wir fahren die verbleibenden 82 km gemeinsam. Erst jetzt kann ich die Schönheit der namibischen Canyonlandschaft genießen. In der Vorfreude auf mein fast sicheres EfI lade ich Roger zum Abendessen ein.

Fazit: Eigentlich mag ich diese Stressmomente nicht – schon gar nicht in meiner Freizeit. Wenn solch eine Unternehmung aber geschafft ist, ist die Erleichterung groß und die Befriedigung unbeschreiblich.

Sonntag, 05.05. letzter Restday in Felix Unite

Schon gestern bekommt die Freude einen Dämpfer: Die restlichen läppischen 700 km sollten eigentlich auf gutem Asphalt abgespult werden.

IMG_9521_1400x1050Auf der Info-Tafel lese ich jedoch bei Ankunft konsterniert, dass 3 von den verbleibenden 6 Tagen auf unwägbaren Offroad-Wegen stattfinden. Aus Sicherheitserwägungen, da die südafrikanischen Autofahrer angeblich ‘ wie die Henker’ fahren.

IMG_9520_1400x1050Der letzte Offroad-Tag führt wieder über 150 km. Und damit bleibt die Unsicherheit über meinen Erfolg bis zum Schluss. Das Camp in Felix Unite ist super. Es wimmelt zwar auch hier von Pauschalabenteurern – aber die müssen ja tagsüber Abenteuer bestehen.

IMG_9526_1400x1050Somit habe ich wenigstens jetzt meine Ruhe am Swimmingpool. Mein Blick geht über den Fluss, wo auf anderen Seite Südafrika liegt.

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