13.01.2013

flagge_ägypten

Ägyptische Flagge

Sonntag: 13.01.2013
3. Etappentag im Desert Camp.
Einige km vor Hurghada und schon 450km von Kairo entfernt. Doch der Reihe nach:

Die Unruhe der Leute am Morgen der Abfahrt war fassbar. Doch der Vorstarteffekt im Sport soll ja leistungsfördernd sein. Wenig leistungsorientiert waren die ersten 8 km zu den Pyramiden im Konvoi mit Polizeieskorte, vorbei an der mild lächelnden Sphinx, hinauf auf eine Anhöhe, wo man vier Pyramiden von Gizeh im Sucher des Fotoapparates hat. Viele eigene Fotos, das lokale Fernsehen, Repräsentanten und ein stärkendes Büffet. Gottseidank keine Reden.

P1010474P1010465P1010463Dann wieder durch den Kairoer Verkehr auf den Autobahnring – wieder mit Polizeieskorte, damit wir nicht umgenietet werden. Das Fernsehteam ist auch noch dabei und filmt im Kofferraum kauernd aus dem fahrenden Auto. Heute ist Feiertag und alle sind auf dem Weg irgendwohin.

Beim seichten Dahinrollen auf der Autobahn frage ich einen jungen Ägypter aus, der uns bis zum Stadtrand begleitet, über Kairo, Ägypten und alles was mir so auffällt.

Dann, ein kurzer Stop, John, unser ‚tour-director‘ sagt:’Now you are free, go‘. Es wird auch Zeit, denn es ist schon Mittag und wir haben noch ca 100 km vor uns.
Die jungen Pferde sind nicht zu halten, sie stieben davon. Ich orientiere mich an denen, die in etwa mein Tempo fahren und lerne die ersten Teilnehmer etwas näher kennen. Volker Ecke z.B. ist mit 70 unser Senior. Er ist Deutscher und vor vielen Jahren nach Australien ausgewandert. Als wir mit dem Gespräch fertig sind, gibt er Gas und verschwindet. Beim lunch-stop sehe ich ihn wieder. Er plagt sich mit Krämpfen in beiden Beinen – und fährt natürlich weiter. Reinhard würde ihn eine harte Sau nennen.
Oder Susanne Fröhle, eine Frau mit zwei schon erwachsenen Kindern, die nebenbei in einem Fahrradladen gejobt hat, um ihr Fahrrad besser zu verstehen. Doch als ihr auf den ersten Kilometern der Reifen platzt, sieht sie einigermaßen hilflos aus.

Um 16.30Uhr sind wir im Desert-Camp.Gerade noch Zeit, um das Zelt vor Einbruch der afrikanischen Nacht aufzustellen- irgendwohin, denn Platz ist genug da. Es gibt noch eine leckere Pasta Bolognese mit Salat. Oder schmeckt das immer nur so gut, weil man großen Hunger hat?

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Das Einschlafen klappt problemlos, obwohl ich wohl schon einige Jahrzehnte nicht mehr in einem Zelt genächtigt habe.
Ein Wecken mit Musik war uns angekündigt, tatsächlich werde ich jedoch um 6.30Uhr vom Geklapper aus den Nachbarzelten geweckt. Das Gerödel und die Hektik sind groß, gilt es doch alles zusammenzupacken und in eine Tasche zu verstauen. Das Müsli mit warmem Porridge und der Instantkaffe dazu sind leckerer als es sich anhört.
Dann das große Geschäft: Dazu nimmt man sich eine große Schaufel, läuft einen km in die Wüste, oder versteckt sich hinter einer Sanddüne, tut, was zu tun ist und schaufelt alles zu. Dabei unbedingt die Windrichtung berücksichtigen. Sicherlich gewöhnungsbedürftig und optimierbar, aber ich bin ja erst am Anfang.

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Dann zügig auf den Sattel, denn heute stehen 166 km an. In der Nähe von Suez stoßen wir ans Rote Meer, fahren südlich und werden ordentlich vom Wind begünstigt. Ein Schnitt über 30 km/h ist normal. Seit dieser Zeit fahre ich mit Hubert Steinhauser, einem Schweizer, der für seine Botschaft in Washington D.C. arbeitet und Rüstungsexperte ist. Er spricht wie Emil, ist amüsant und ein netter Wegbegleiter.

Der dritte Tag über 126 km führt uns wieder in ein Desert-Camp. Wir sind in der Nähe von Hurghada und der Wind pustet uns fast hinfort. Schnell gebe ich den Kampf auf, den Sand aus dem Zelt fernzuhalten. Beim Briefing um 17 Uhr bin ich fast enttäuscht, dass die Etappe am vierten Tag nach Safaga nur über 100 km führt. Bald jedoch verstehe ich warum und bin dankbar dafür. Denn in Safaga, wo wir schon um 12 Uhr ankommen, campen wir auf einem echten Campingplatz mit Duschen und Toiletten.
Was für ein Luxus. Ich schwimme im Roten Meer.

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Danach Stadtbummmel mit Hubert, Tee und Shisha rauchen in einem Cafe. Am Nachmittag und Abend Gelegenheit auch mal mit anderen zu quatschen, auch wenn sie mit ihrem US-, Australian- or Canadian Slang meist nur schwerlich zu verstehen sind.
Wenn ich mit den Italienern, Engländern oder dem brasilianischen Journalisten englisch spreche, klappt das meist besser.
Morgen geht’s weg vom Roten Meer ins Landesinnere, wieder in ein Desert-Camp und dann nach Luxor. Morgen 123km, davon 41km stetig bergauf und mit dem Rückenwind ist es wohl auch vorbei. Die Moral ist gut und gute Nacht.

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4 Antworten zu 13.01.2013

  1. Sabine + Jean schreibt:

    Spannend warten wir auf mehr tolle Berichte.Wir sitzen hier alle zusammen und freuen uns über jedes Lebenszeichen von dir, vorallem wenn es so schöne sind. Christel aus barca ist neidisch und hätte dich am liebsten begleitet. Liebste grüße und gute Gedanken senden dir Oma, Sabine,Jean, Lina und der Rest der Sippe

  2. Lina J. schreibt:

    Toller Bericht, tolle Fotos!
    Ich denke an Dich!
    Lina

  3. Dennis K. schreibt:

    Lieber Kurt,
    schön, dass Du gut in die Tour gestartet bist und schön, dass Euch der Wind auf der ersten langen Etappe wohlgesonnen war. Du wirst den Passat noch im Sudan schätzen lernen, da treibt er Euch richtig vor sich her.

    Genieße das Morgengebet in Idfu, eine einmalige Erfahrung, an die Du noch lange denken wirst. Ab Assuan geht die Tour dann richtig los. Hals und Beinbruch – Dennis

  4. horsti1000 schreibt:

    Hallo Kurt,
    alles hier gut angekommen. Habe sofort deinen Blog aktualisiert. Du bist bereits in Luxor, wie ich aus den Seiten anderer TDA-Fahrer ersehen kann. Freuen uns, dass es bei Dir so gut läuft – schon 753 km geradelt. Am Roten Meer muss es ja richtig geil gewesen sein mit tailwind und 30km/h. Ich beneide dich, wäre gerne mit dabei.
    Deine Berichte sind lustig zu lesen. Mach weiter so. Irgendwie wirst du auch die folgenden nach Old-Germany per Internet schicken. Es wird immer besser gehen. Außerdem wird Dir im Ernstfall jeder aus eurer „verschworenen Gemeinschaft“ helfen.
    Wir wünschen Dir weiterhin Hals und Beinbruch.
    Have a nice time!

    Reinhard und Lore

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