20.01.2013

19.01.2013
Inzwischen sind wir in Assuan gelandet und zwei Tage Radeln am Nil entlang liegen hinter uns. Zwei Etappen mit je 110 km sind nicht besonders viel (schon vor 13 h haben wir unser Ziel erreicht) aber sie erfordern unsere ganze Aufmerksamkeit.
Gefahren beim Radeln
Nach wie vor rufen uns zahllose Kinder ihr ‚hallo, money und what’s your name‘ zu und fast alle sind friedlich doch nicht alle. Einige Frechlinge stürzen sich mit Zuckerrohrstangen bewaffnet auf die Strasse oder werfen gar mit Steinen oder anderen Gegenständen.
Der Kiwi Phil (Collins) wurde von einem Stein im Rücken getroffen und ich habe heute mit einem Esel Bekanntschaft gemacht. Bei einer engen Martkdurchfahrt lenkte ein Eseltreiber sein Gefährt nach rechts, sein Esel gehorchte ihm und stieß prompt mit meinem Lenker zusammen. Der Esel hat sich ordentlich am Kopf gestoßen und ich hatte zu tun, schnell aus meiner Klickpedale zu kommen. So ist alles glimpflich und ohne Sturz geendet.
Für diese knifflige Situationen habe ich schon eine Strategie entwickelt: Ich rufe den bösen Buben ein lautes ‚walla‘, das wie ein ‚chwalla‘ ausgesprochen werden muss und soviel bedeutet wie ‚verp…dich‘ heißt und mit einem lehrerhaften drohenden Zeigefinger begleitet wird und schon trollen sich die bösen Buben. Das habe ich von einem ägyptischen local rider gelernt.
Auch beim Durchqueren der nubischen Wüste galt es, Gefahrenmomente zu überstehen. Und zwar durch streunende Hunde. So wurden Hubert und ich von einer Vierermeute angegriffen. Ich konnte mich relativ schnell durch eine Tempoverschärfung absetzen. Ein Hund war jedoch schon an Huberts Pedale angekommen. Er wehrte sich mit einem kräftigen Tritt auf die 12 und die Töle ließ jaulend von ihm ab. Auch die anderen hielten erstaunt inne. Hubert-Emils Kommentar: ‚Das gibt Selbstbewußtsein, odrr?‘
Der ganz normale ägyptische Wahnsinn
Gestern sind wir in Idfu gelandet und Dennis K. hat schon ganz recht; den Abend werde ich so schnell nicht vergessen. Zunächst schlugen wir unsere Zelte neben einem Fußballplatz auf. Die Dusche befand sich auf einem französischen Plumpsklo und bestand aus einem Wasserhahn auf 30 cm Höhe und einem 50cm langen Wasserschlauch. Ich mußte schon ziemliche Verrenkungen machen, um die letzten Schaumreste vom Körper zu spülen.
Als ich aus der Dusche kam, wurde gerade das Fußballspiel zwischen dem heimischen FC Idfu gegen Wacker Assuan angepfiffen. Die Jungens kickten sehr virtuos, allein der Ball verschwand des öfteren in einer riesigen Wolke auf dem staubigen Platz aus dem Blickfeld. Die auswärtigen Assuanar gewannen 3:1.
Dann, am Abend gegen 20 Uhr – ich liege schon in meinem Zelt – bricht die Hölle los. Man muss sich das so vorstellen: der Karnevalverein Weserbrücke, verstärkt durch die Kölner Feedelszög ziehen durch die Stadt. Dazu ist der FC Beverungen gerade Deutscher Fußballmeister geworden und ein Autokorso folgt ebenso mit einem ohrenbetäubenden Hupkonzert. Nur, dass die Hupen hier mindestens dreitönig sind. Gegen diesen Wahnsinn hat nicht einmal der Muezin auf seinem Minarett eine Chance.
Der Muezin rächt sich  jedoch morgens um halb fünf. Jetzt hat er die Hoheit über die Stadt. Sein eintöniger Surensingsang dauert bis zu einer Stunde. In dieser Nacht mache ich kein Auge zu. Da lobe ich mir die einsamen Nächte in den Desertcamps.

20.01.Ägypten

Da es morgen auf die Fähre Richtung Sudan geht, kann ich schon mal ein erstes Fazit über das erste durchradelte Land in Afrika ziehen.
Ich kenne Ägypten ja schon ein wenig von meinen Tauchaufenthalten am Roten Meer. Aber so richtig in das Land einzutauchen ist schon etwas anderes.
Es ist laut und sehr weit zurückgeblieben. Eselskarren sind hier keine Folklore sondern ein wichtiges Transportmittel, ebenso uralte Autos und Motorräder chinesischer Bauart. Auf letzteren sitzen sie meist zu dritt. Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit aber auch stark anmachend in Richtung Kommerz. Da ich aber gar nichts mitnehmen kann, haben sie keine Chance.
Kairo war sehr kalt, das Rote Meer windig, sodass das Zelt wegzufliegen drohte und die Nächte waren ebenfalls kalt. Hier am Nil haben wir locker die 30°-Marke geknackt und ich habe einen Vorgeschmack von dem, was mich demnächst erwartet.

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7 Antworten zu 20.01.2013

  1. Dennis K. schreibt:

    Toll, das mit dem Fussballspiel ist leider nicht jedem TdA-Jahrgang vergönnt. Aber die Muezzin am Morgen sind schon Klasse. Das war nur das Aufwärmen. Eure Reise beginnt jetzt. In Dongola musst Du unbedingt die Falafel und die gebratenen Hähnchen probieren. Nimm gleich ein Ganzes, sie sind schnell ausverkauft als Dir lieb sein wird – genieß die Temperaturen nach Khartoum ist Schluss mit lustig !

  2. Franz Arendes schreibt:

    Hi Kurt,
    deine Berichte sind ja spannender als die von Livingston. Hast du mal wieder versucht irgendeinen umzuhauen,auch wenn es nur ein Esel war. Klaudia und ich sind begeistert von den Bildern, obwohl die mit den Wasserpfeifen hast du doch schon zu Hause aufgenommen, oder?
    Jedenfalls beeindruckst du hier so einige mit deinen Abenteuern und wie du lesen kannst, kann dein Nachbar von Gegenüber ohne an dich zu denken gar nicht mehr einschlafen.
    Pass schön auf wie die dortigen Ballkünstler das wahrscheinlich nicht ganz runde Ziegenleder durch den Staub treiben. Deine Fußballtruppe hier braucht jeden Mann.
    Sportliche Grüße und viel Spaß im „Wilden KurtSudan“.
    Klaudia u. Franz

  3. Marc Wederhake schreibt:

    Lieber Kurt,
    es gab Zeiten, da ging mein letzter Blick vorm einschlafen auf ein Bild meiner Freundin… Seit geraumer zeit bist du es aber der mich in den Schlaf begleitet…es ist toll deine Geschichten zu lesen… Pass auf dich auf u mit Angela Merkel hab ich gesprochen… Du darfst weiterfahren…

    Herzliche Grüße

    Marc

  4. Jan Schwietzke schreibt:

    Hi Papa!
    Hab am Wochenende Saras Oma & Opa von deiner Reise erzählt, und sie haben gesagt: „Wenn Merkel das mitbekommt, holt sie dich sofort aus dem vorzeitigen Ruhestand und schickt dich wieder arbeiten…“…soviel also zum Deutschland-Bild der Spanier…in diesem Sinne noch frohes Radeln.

  5. Luddi schreibt:

    Lieber Kurt,
    du hast jetzt das erste Training für den Einstieg in Richtung Sudan und Äthiopien: Kinder, Esel und Hunde – du schaffst die mit walla-walla auf Distanz! 🙂
    Du brauchst auf deinem Weg noch ’ne Menge Humor.
    Ich bin schon mit google earth mitten in Kenia…. Beeil dich mal!
    In Dongola hören wir wohl das nächste mal von dir.
    Bis dahin viel Ruhe in der Nubischen Wüste und ein paar aufregende Abenteuer mit den Krokodilen am Nil !!!
    Lieben Gruß mit Fernweh
    von
    Ludger

  6. Sabine + Jean schreibt:

    lieber kurt, ganz im gegenteil zu dir frieren wir hier bei minustemperaturem und schneefall. der winter hat das ruhrgebiet fest im griff. deine 30 grad gibts bei uns nur am ofen!!
    an deiner über mehr als 30 jahre erworbenen erzieherqualitäten hatten wir ohnehin keine zweifel – schön, dass durch einfaches walla-walla-schreien dem ansinnen von bösen buben einhalt geboten werden kann. viel glück im sudan! sei lieb gegrüßt von sabine + jean

  7. Birgit Dewenter schreibt:

    Hallo lieber Kurt, dein Reisebericht ist richtig spannend. Wir freuen uns, dass es dir gut geht. Pass gut auf dich auf, wenn die doofen Kinder und die bösen Tiere kommen. Weiterhin viel Spaß und herzliche Grüße aus der sehr kalten Heimat (minus 6 Grad) von Franz (Dewi) und Birgit

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