26.01.2013

flagge_sudan

Flagge des Sudan

22.01.2013
Schaut euch die Bilder an und trotzdem könnt ihr die Zustände nur erahnen, die auf der Fähre in den Sudan herrschen.

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Als wir gestern die 17 km vom Camp über die Staumauer des Assuandamms in den Hafen zurücklegen und dort zwei schmucke Schiffe sehen, hegen wir die Hoffnung, dass eines davon unseres sein könnte. Doch die Hoffnung trügt. Wir steuern zielsicher auf einen rostigen Seelenverkäufer zu, der unser Schicksal sein soll.

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Die Tour d’Afriqueler dürfen als erste aufs Schiff, gemeinsam mit mehreren Dutzend Trägern, die Dinge wie Waschmaschinen, Mehlsäcke und sonstiges aufs Schiff wuchten und unter ihrer Last ächzen und mehr schwitzen als wir. Wir lassen ihnen den Vortritt, haben wir doch vergleichsweise leichtes Gepäck.

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Wow, wir haben eine Kabine. Mit zwei Betten für drei Leute. Darragh, ein junger Ire, der wegen Arbeit nach Kanada ausgewandert ist, lässt Hubert und mir den Vortritt und schläft selber auf Deck.
Der Dreck hier legt sich nicht nur ins Bett, in die Kabine, den Essensraum, sondern auch aufs Gemüt. Er ist allgegenwärtig und es ekelt einen, irgendetwas anzufassen.
Der Gestank auf den Toiletten ist unerträglich. Am besten, man stellt sich an die Reeling und schaut tapfer aufs Wasser hinaus. Doch es gibt noch eine Steigerung von Dreck. Ich steige eine Treppe tiefer in den Bauch des Schiffes und finde dort zwei Kabinen. Eine für die sudanesischen Weiblein und eine für die Männlein. Sie sind bekleidet mit langen Gewändern, Djellabahs genannt, und meist mit Turbanen. Der Gestank ist noch unerträglicher. Ich mache ein paar Fotos und gehe wider nach oben.

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Ich treffe auf einen französischen Altertumsforscher im Ruhestand, der im Sudan noch Lücken seines Wissensstandes und seiner Forschungen schließen möchte. Auch er zeigt sich beeindruckt von unserem Radlerprojekt.
In ein paar Stunden werden wir in Wadi Halfa ankommen, durch den Zoll gehen dann sudanesischen Boden betreten.

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25.01.2013  Erste Opfer der Strapazen

Eine unglaubliche Farce mit der Kontrolle der Pässe und des Gepäcks. Zunächst mal waren nochmal 100 $ fällig, nachdem ich bei der Beantragung des Visums schon 90 € bezahlt habe.

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Dafür dürfen wir zwei Stunden länger auf der Fähre bleiben, bis die Ministerillbeamten alles auf die Reihe gekriegt haben. Zwischendurch gehen dann noch die Formulare aus. Dann im Hafen, Kontrolle des Gepäcks- wahrscheinlich nach Alkohol. Als Dankeschön gibt es einen rosa Aufkleber als Unbedenklichkeitsnachweis.
Nach so viel Leerlauf fallen wir abends noch in Wadi Halfa ein -und hätten gern ein Bier getrunken. Aber die 40 Stockhiebe Strafe sind dann doch Abschreckung genug. Statt dessen gibt’s Cola und leckeres Hähnchen.

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Dann, am Abend noch eine Schockmeldung für mich. Mein schweizer Radkumpel Hubert offenbart mir, dass er die Etappe morgen nicht mitfahren wird und er die Tour in Khartoum beenden wird und er den Tourdirektor schon benachrichtigt habe. Ich verstehe erst nicht richtig, denn wir hatten immerhin drei Tage Pause. Ihm, als ordentlichen schweizer Eidgenossen setzen die hygienischen Bedingungen besonders zu. Und die Fähre hat ihm den Rest gegeben.
Ich sage ihm, dass ich sehr enttäuscht bin und gerne mit ihm nach Kapstadt mit dem Velo eingefahren wäre, odrr. Am nächsten Morgen sieht das ganze schon bedeutend besser aus und er will sich alles nochmal überlegen. Seine gesundheitlichen Probleme hat er weitgehend überwunden. Vom Sturz hat er sich eine gebrochene Rippe zurückbehalten, die er mit Schmerzmittel behandelt. Hubert hat auch einen Blog bei WordPress unter dem originellen Namen:’hubertdafrique‘, was die Amis als ‚Hubert the freak‘ verstehen.

Die beiden ersten Etappen im Sudan mit beinahe 150 km und durchschnittlich 33°, Mittags bis 38°, sind ein erster Härtetest. Übernachtung in Desert-Camps in der nubischen Wüste.

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Doch der Nil ist in der Nähe und nach einem Fußmarsch wartet ein kühles Bad im Nil. Krokodile? Keine Ahnung, wann die losschwimmen, um ihren Heißhunger zu stillen. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir gehaltvollere Appetithappen unter uns haben als mich.

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Gestern Morgen bin ich in eine Radsportgruppe mit Steffen Vogt und anderen Youngstern geraten, die bis zum Lunchstop bei km 78 einen Schnitt von 28,3 km/h vorgelegt haben, mit dem Resultat, dass ich schon Mittags richtig platt war.

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Heute ’nur‘ 112 km bis Dongola, wo wir wieder einen Restday einlegen. Heute Morgen gab es ein Teamrennen über 25 km. Wir wollten als deutsch-schweizer Team starten mit Susanne, Sybille, Hubert und mir. Die Sybille, die in Irland lebt, hat sich am Vortag dermaßen verausgabt, daß sie heute leider nicht starten konnte. Gewonnen hat das Team mit vier jungen Holländern, die alle in Oranje-Trikots und gleichfarbigen Luftballons gestartet sind.
Sybille ist nicht das einzige Hitzeopfer. Es gibt jetzt immer mehr, die sich vom Bus aufnehmen lassen und dort den Rest der Etappe zurücklegen. Außerdem ist Iren, eine Schweizerin, die auf der Fähre noch ihren 30. Geburtstag gefeiert hat, heute schwer gestürzt und hat ein aufgeschlagenes Knie und ein violettes Auge. Iren ist Ärztin.

26.01.2013 Restday in Dongola
Ich habe die Hoffnung, morgen ein Internetcafe zu finden, um ein Lebenszeichen aus dem äußerst zugeknöpften Sudan zu geben.
An den Restdays und den Abenden, die ihnen vorausgehen, müssen wir uns selber versorgen. Das birgt die Chance, mal die lokale afrikanische Küche auszuprobieren, aber auch das Risiko, sich schnell mal bei einem ungewaschenen Salat einen einzufangen. Wir haben eine Hähnchenbraterei gefunden, wo die Hähnchen knusprig und frisch sind. Ich bin froh, dass es mir wieder schmeckt, da ich vor einigen Tagen einen Brechreiz bekommen habe und nicht mehr viel zu mir nehmen konnte.

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Heute: Ausschlafen, Frühstück mit Omelett und Kaffe, dann Fahrradpflege. Ich habe die Kette geölt und vorne einen neuen Sclaucheingezogen, denn er verlor langsam Luft, wahrscheinlich aus dem Ventil. Ansonsten Kompliment an Uli, der mir richtig haltbare Reifen ausgesucht hat. Bis jetzt hatte ich noch keinen Platten, wobei der Rekord bei anderen schon in Ägypten bei 8 lag.

Bis Khartoum sind es noch genau 500 km, die wir in 4 Tagen zurücklegen. Ab dort ist ein Reifenwechsel angesagt, weil dann die ersten Offroad-Strecken kommmen.

Bis dann.
Heiße Grüße von Kurt

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3 Antworten zu 26.01.2013

  1. Luddi schreibt:

    Lieber Kurt,
    jetzt hast du Pharao’s Delight in Khartoum geschafft! Fast 2.000 km – und „nur“ noch 10.000 km bis Kapstadt.
    Herzlichen Glückwunsch!
    Aber ab jetzt, sagen wir mal mit Jerome Bonaparte, „Schluss mit Lustik!“
    Jetzt gehts ab durch die „Vorhölle“.
    Aber du bist auch ein harter Hund, hast auch Nehmerqualitäten. Wenn du es bis zu deinem Geburtstag in Addis Abeba ohne größere Blessuren geschafft hast, prophezeien wir dir: Du schaffst das auch bis Kapstadt! Haben auch andere geschafft.
    Dein letzter Bericht aus Dongola war übrigens dein bester. Lebensnah und spannend. Auch die Fotos sind toll geworden. Mach weiter so! Wir warten immer begierig auf deine neuen Meldungen von der „afrikanischen Front“.
    Wir drücken dir beide Daumen – die Engländer sagen „we keep our fingers crossed“!
    Ludger und Sylvia

  2. Jacky LE ROY schreibt:

    Moi, j’ai choisi d’écrire sur le Tagebuch !

  3. Lina J. und Lukas L. schreibt:

    Oh man Kurti,

    Du bringst uns zum Lachen und zum Bibbern…
    Es ist eine Freude, Dein Tagebuch zu lesen und wir sind gespannt, wie es weitergeht.

    Lass Dich von nervigen Kindern, dem Gestank, von Eseln, kaputten Reifen und von der Hitze nicht unter kriegen.
    Wir hoffen, dass Du bald mal wieder ein Bier – ohne Androhung von Peitsche oder Rohrstock – genießen kannst :-).

    Un beso enorme
    Lukas und Lina

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