31.01.2013

27.01.2013 Diebstahl in Dongola:
Ausgerechnet den beiden besten Racern dem Kanadier Pascale und dem Deutschen Tobias haben sie gestern Nacht einen Computer und eine Kamera aus dem Zelt gestohlen als dieses noch unbewohnt war. Das Lager wurde Tag und Nacht von Polizei bewacht. Trotzdem hat sich ein Unhold eingeschlichen. Es ist ja auch zu verlockend, all die Reichtümer zu sehen und nicht zu besitzen. Für die Bestohlenen ist es allemale ärgerlich.

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Dead Camel Desert Camp
Heute endeten die 140 km nicht irgendwo, sondern just an jener Stelle, wo schon so manches Kamel verendet ist. Dabei sollen diese Tiere doch so genügsam sein. Vielleicht war es auch ganz einfach altersschwach. Auf jeden Fall sind sie im heißen Wüstensand allerbestens mumifiziert. Ebenso begegnen wir am Wegesrand so mancherlei totem Getier: Vom Wüstenfuchs über das Zicklein, ein ausgewachsenes Rind bis zum Kamel. Alle Opfer der Straße und für die Ewigkeit konserviert. Es kommt jedenfalls keiner, um sie wegzuräumen.

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28.01. Sandsturm über Sudan
Ludger, der Wetterfrosch, hat den sudanesischen Sandsturm vorausgesagt. Schon beim Lunchstop weht er jeglichen Belag vom Fladen. Abhilfe: den Fladen aufschneiden, gut füllen, und ihn sozusagen als Fladen Calzone verspeisen. Der warme Wind treibt mich vor sich her und schon um halbzwei könnte ich mein Zelt aufschlagen, wenn,  ja wenn der Wind nicht noch mal zugelegt hätte. Wir bilden Crews und bauen die Zelte gemeinsam auf. Ich bin zufrieden mit Tims Zelt, weil es den ersten Härtetest besteht. Einige haben weniger Glück und schlafen im auf und unter dem Truck.
Wir sehen alle aus wie Lawrence von Arabien in seinen härtesten Momenten. (Der Film soll im Sudan spielen). Eine dicke Staubschicht hat sich aufs Gesicht und die Glieder gelegt. Wasser ist nur zum Trinken vorhanden und mit meiner Waschlotion verschmiere ich nur alles. Also kann ich den Sand nur gleichmäßig auf dem Körper verreiben und auf einen hautreinigenden Peelingeffekt hoffen. Manche Frauen geben dafür sogar viel Geld aus.

 29.01. Epische Fahrt
Das Frühstück am nächsten Tag ist eher schweigsam. Jeder schwingt sich auf sein Rad und fährt in der Regel allein los. Es herrscht nach wie vor Ausnahmezustand. Rotgelber Sand treibt über die Straße, die wenigen Bäume biegen sich und die Sonne ist verfinstert. Ich genieße die Fahrt, ist sie doch eher unwirklich und vor allem – der Wind kommt meist von hinten und treibt uns voran. Früh im Camp angekommen, ist das meiste vorrüber, die Leute reden wieder mehr und lachen auch wieder.
Heute hat Hubert Geburtstag und auch der junge nette Hilfskoch Yannez aus Südafrika. Der Kleine wird 28, Hubert 64. Meine Anfrage nach dem kaltgestellten Champagner und der Geburtstagsfeier quittiert er mit einem gequälten Lächeln.

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30.01. 2013  Khartoum und Ende des ersten Abschnitts
Die 70 km bis zum Lunchstop fahre ich mit Nadja und Michael aus Berlin. Sie arbeiten für die Kinsey-Unternehmensberatung. Und ich frage sie, wie sie das Land Sudan beraten würden, wenn es eine Firma wäre. Ihre Antwort ist bemerkenswert differenziert. Wenn, ja wenn die Umsetzung der Pläne so einfach wäre. Für die beiden jungen Leute endet die Reise hier. Sie fliegen wieder nach Deutschland zurück und wollen im August heiraten. Beim Lunchstop, ca.20 km vor Khartoum tauchten einige Radfahrer auf, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Das sind die, die uns auf der nächsten oder den nächsten Etappen begleiten werden. Man kann eben die ganze Tour oder auch nur einzelne Etappen fahren.

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Die letzten 20 km fahren wir im Konvoy. Dafür haben sich wieder Polizei und das Fernsehen eingefunden. Auf Sudan-TV könnt ihr unsere gloriose Einfahrt nach Khartoum ansehen. Diesmal sind wir schon erstaunlich routiniert und nicht mehr so verdutzt wie noch in Kairo. Zunächst geht’s kilometerlang durch Wohngebiete, auch Slums genannt. Dann, in der Innenstadt eine Skyline hinter der sich die Frankfurter verstecken kann. Zumindest, was eine handvoll Gebäude betrifft. Wir fahren über den blauen Nil (hier ist nämlich der Zusammenfluß des Weißen mit dem Blauen Nil), biegen zweimal links ab und sind am’Blue Nile Sailing Club‘. Hier ist ein parkartiges Gelände, wo wir unsere Zelte aufschlagen dürfen. Eigentlich ein toller Zeltplatz, doch nur wenige nehmen das Angebot war. Die meisten sind so fertig mit der Welt, daß sie auf jeden Fall ein Hotelzimmer haben müssen, auch wenn sie dafür 150 $ pro Nacht hinblättern müssen. Hubert bleibt hier. Wir richten uns ein und es findet sich eine Dusche (wunderbar!), ein Waschplatz (auch nach der 3.Wäsche ist das Wasser noch braun) und sogar ein Ladeplatz für die elektronischen Geräte. Wir fühlen uns wieder wie Menschen. Als Höhepunkt des Genusses gibt’s noch einen Obststand, der das Obst püriert und mit Eiswasser einen köstlichen Fruchtcocktail mit Strohhalm kredenzt. Ich finde, das habe ich verdient.

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Eine Antwort zu 31.01.2013

  1. Dennis K. schreibt:

    Lieber Kurt,
    Du machst mächtig Eindruck – scheinst Deine Routine gefunden zu haben und Dich bereits mit Deinem neuen Leben zu arrangieren. In Khartoum scheint Ihr ja einen neuen Campingplatz zu haben – unserer war leider nicht so „luxuriös“ – grüß mir mal den Sectional Pal aus Norwegen – er ist ein ausgesprochen starker Profi auf dem Rad – zumindest bergauf fährt er in einer anderen Liga. Da wird Pascale erstmal ein wenig Konkurrenz bekommen. Fang FRÜHZEITIG mit REHYDRIEREN an, jetzt wird es warm und auch ungemütlich, sieh zu, dass Du wenigstens gesund nach Gonder kommst !

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