03.02.2013

Sudan 03.02.2013   Wahnsinnsalltag – Alltagswahnsinn

Mein Alltag besteht aus Radeln und Freizeit. Das Radeln gehört noch zu meinem bisherigen Erfahrungshorizont, wenn man einmal von der fremdartigen Landschaft und der Hitze absieht.
Die Freizeit allerdings hat ihren Namen nicht verdient. Morgens um 06:00 Uhr werde ich wach vom Geklapper in den anderen Zelten. Ich setze mir die Stirnlampe auf, denn draußen ist es noch dunkel. Zähneputzen, evtl. ein paar Wassertropfen ins Gesicht, der Rest entfällt. Wieder im Zelt salbe ich mein kostbarstes Stück (zumindest hier), ziehe meine bereit gelegten Fahrradklamotten an, rolle Schlafsack und Isomatte zusammen, baue das Zelt ab, packe alles in meine große Tasche, schleppe sie zum Truck und wuchte die Tasche im wahrsten Sinne des Wortes in meinen Locker, wo sie gerade so hineinpaßt.
Das Essgescheschirr bleibt draußen und wenn ich Zeit habe, mache ich mir schon mal einen Kaffee. Um 07:00 Uhr gibt’s Frühstück. Essgeschirr abwaschen, Kilometerzähler auf Null, Sonnencreme auftragen, Sonnenbrille auf und ab geht’s.. on the road.
Im Schnitt sind wir ca 6 Stunden auf eben jener, Lunchstop und Cokestops nicht mitgerechnet. Meine Renntaktik sieht momentan so aus, daß ich morgens mit Hubert und einer schnellen Truppe rasch vorankommen will, dann ab Mittag, lasse ich es langsamer angehen und fahre alleine oder mit jemandem, der mein Tempo hat.  So kann man sich in Ruhe mal mit anderen unterhalten.
Im Camp angekommen, passiert das gleiche rückwärts, was schon am Morgen geschah. Zum Frischmachen ist in den Desertcamps kein Wasser vorhanden. Statt dessen gibt’s ein leckeres Süppchen, das jedoch regelmäßig versalzen ist. Ich habe später begriffen, daß das mit Absicht geschieht. Sie wollen, daß wir noch mehr trinken.
Jetzt könnte man sich im Zelt ein Weilchen ausruhen, wenn da nicht Temperaturen von über 50°C herrschten. Manchmal gelingt’s trotzdem. Um halb sechs ist rider-meeting, wo der Streckenplan für den nächsten Tag bekannt gegeben wird.
Danach Abendessen, welches immer total lecker ist und von John, dem kanadischen Koch zubereitet wird. Der hat ein Händchen, auch für so viele Leute das Essen gut zu würzen. Ich hab‘ ihm schon ein dickes Kompliment gemacht. Danach noch ein Tee oder Kaffee, ein bißchen Geklöne und ab geht’s in die Heia, denn die müden Beine fordern ihren Tribut.
Dieses ganze Prozedere gehört eben
nicht zu meinem Erfahrungsschatz und erzeugt Stress, solange es noch nicht automatisiert ist. Nach nun gut 3 Wochen geht das meiste aber doch automatisch. Wichtig ist die Ordnung im Zelt, dass man alles auch im Dunkeln finden kann und für den Morgen griffbereit liegt.

So, jetzt wisst ihr, wie’s bei mir abgeht!

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4 Antworten zu 03.02.2013

  1. Ruth Steinhauser schreibt:

    Hallo Kurt. Ruedi und ich (Bruder von Hubert und Schwägerin) lesen mit Spannung auch deine Berichte. Sehr interessant! Wir drücken die Daumen, dass du dein EFI Ziel erreichen wirst. Toi toi toi.

  2. sabine vieres schreibt:

    Lieber Kurt, bei meinen kleinen Gemeinheiten mit dem Bier konnte ich mich nicht einmal zwischen Weißbier und Weizenbier entscheiden….hoffentlich geht es dir gut!! Wir haben Karneval mit Schnee….. lieber Gruß Sabine

  3. sabine vieres schreibt:

    Hallo lieber Kurt,
    du wirst in deinem Zelt bereits schlummern, da schauen wir, d.h. ich, das Länderspiel Deutschland – Frankreich!! Bis jetzt spielen sie ganz ordentlich. Du würdest jetzt vielleicht auch gerne schauen??? Bei einem Weißenbier??? Ja, ich bin gemein! Aber du erlebst ja viel ungewöhnlichere Dinge! Ich denke, jetzt stellt sich so langsam die Gewöhnung ein, der Adrenalinspiegel senkt sich, die neuen Situationen sind bewältigt!! Jetzt heißt es neue Motivation aufzubauen. Hast du noch besonders nette Leute dabei?? Bei den nächsten Ruhetagen gibt’s vielleicht ein neues Erlebnis, auf jeden Fall eine Dusche!
    Das Ruhrgebiet lag heute früh unter einer 10 cm hohen Schneedecke…wir mussten nach Hachen fahren und waren 2,5 Stunden später dort, das reinste Verkehrschaos!
    Sei ganz doll gedrückt
    Sabine

  4. Luddi schreibt:

    Hallo, lieber Kurt!
    Jetzt hast du ja die erste große Hitze fast überstanden. Man konnte bei Google Earth von oben ganz deutlich die Dörfer mit den Rundhäusern und Strohdächern auf eurem letzten harten Off-Road-Abschnitt erkennen.
    Aber jetzt geht’s in die Berge! Von Doka bis Metema (Grenze) und bis zum nächsten Camp (1000 m) steigt ihr gemächlich höher. Aber die letzten 100 km bis Gondar haben’s in sich! Erst auf 2200 m hoch, wieder 500 m runter und wieder 500 m rauf nach Gondar! Die Temperaturen werden in der Höhe wieder erträgliche 23 Grad. Nachts sind es aber nur 16 Grad! Warm anziehen, sonst gibt es eine Erkältung! Ein kleines Lüftchen weht euch bis Gondar direkt ins Gesicht. Das wird nicht einfach! Zumindest Berge und Pässe bist du ja gewohnt. 😉 Belohnt werdet ihr mit einer traumhaften Landschaft wie in den französischen Alpen! Und dann habt ihr zwei verdiente Ruhetage in Gondar, dem schönen mittelalterlichen Festungsort.
    Hier ist alles beim alten. Der Winter machte Pause. Nur der Regen war lästig.
    Jetzt ist es leicht frostig mit Schnee und Straßenglätte. Kommt der Winter doch zurück?
    Lieben Gruß und viel Glück auch weiterhin für dich.
    Und lass dich nicht unterkriegen von kläffenden Hunden und ausgeflippten Kids!
    Ludger und Sylvia

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