13.02.2013

Eloge auf den Sudan

Der Sudan ist sicherlich das ärmste Land, das ich durchreise und das mit dem schlechtesten Ruf. Zugegeben, als Ferienland möchte ich es nicht gerade empfehlen. Keine vernünftigen Hotels und viel zu heiß. Aber so wie ich es kennengelernt habe, fand ich es ungeheuer exotisch und ich kann mir keine Steigerung diesbezüglich auf meiner Reise vorstellen.
Widersprüchlich: altertümlich und archaisch, so ähnlich wie im Mittelalter. Dann kommt jedoch ein Kamelreiter daher und winkt freundlich mit seinem Handy. In Khartoum konnte ich keine Briefmarke auftreiben, sah aber Dutzende von Handyläden. Dann die Freundlichkeit der Leute. Hatte ich in Khartoum ein Anliegen, so hat man mich sogleich begleitet. Die Zeit spielte keine Rolle. Auf den Überlandfahrten gab es fast nur Lächeln und Zuwinken. Das hat natürlich eine Erklärung: Die Leute hier sind noch nicht vom Massentourismus verdorben. Keine Anmache und keine Verkaufsstrategien.

Bedenklich: Der Sudan hat super neue Straßen, Hochspannungsleitungen, deren Masten noch in der Sonne blinken und flächendeckend Funkmasten für Handy- und Internetempfang. Sie bereiten sich also auf die Neuzeit vor. Der Haken: Es sind die Chinesen, die ihnen das alles hin gezaubert haben und sicher nicht, weil sie so freundlich und selbstlos sind. Ich habe den Eindruck, dass der Sudan, wenn nicht seine Seele, so doch seine Bodenschätze leichtfertig hingegeben hat. Und Bestechlichkeit ist hier echt ein Thema.

Ich fühlte mich persönlich im Sudan jederzeit sicher. Zwei Vorfälle lassen jedoch Zweifel aufkommen: Ein Pick-up-Jeep überholt uns. Auf der Ladefläche steht ein Typ mit Turban hinter einem auf einer Lafette aufmontierten Maschinengewehr. Volker’s Kommentar: hoffentlich kommt der nicht zurück.
Zweiter Zwischenfall: wir biken auf einer Offroadpiste ‚in the middle of nowhere‘ und treffen auf ein Minenräumkommando. Drei Leute sind mit Metalldetektoren ausgestattet und ein Himmelfahrtskommando von Sudanesen durchsucht den Boden mit bloßen Händen. Wir fragen uns, ob unser Weg denn minenfrei ist. Die Grenze zum Südsudan ist nicht weit.

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