01.04.2013 Frohe Ostern, Danke und Zwischenbilanz

Kommentare
Ein dickes Dankeschön den mehrfachen, einfachen–überhaupt: den Kommentarschreibern (innen)!!
So wie ihr darauf gespannt seid, was Neues von mir zu erfahren, so sehr freue ich mich, eine Rückmeldung von euch zu bekommen. Wenn ich bei den seltenen Internetzugängen nachsehe und es hat keiner geschrieben, so bin ich schon enttäuscht. Umgekehrt spornt es mich an, wenn ihr Anteil nehmt. Dann bin ich für einen Moment nicht mehr so weit weg.
Ich habe gewiss keine Langeweile in meiner inzwischen auf über 70 Personen angewachsenen Radlercommunity (und morgen kommen noch Kathi und Tim dazu- wow).
Aber mir fehlen das Zuhause, das Vertraute und die Ruhe. Ich besitze nicht mal ein funktionstüchtiges Telefon (In jedem neuen Land neue Sim-Cards und Credits zu kaufen, überfordert mich).

Also weiter so! Schreibt fleißig weiter und gebt mir Anregungen!

FROHE OSTERN

….wünsche ich euch und auch erholsame Ferien. Ich selbst werde nicht viel davon mitbekommen, obwohl ich mich in einem christlich geprägten Land befinde. Das Radeln prägt den Zeitplan und meine Sonntage sind die Restdays. In Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, habe ich gleich 2 davon – toll.

ZWISCHENBILANZ

Ich bin schon über 10 Wochen unterwegs und ich wage mich mal an eine solche:

Pro:

Manchmal plästert der Regen schon beim Losfahren, manchmal gibt es brutale Unfälle und doch……
…steige ich immer noch gerne jeden Morgen aufs Fahrrad. Das Radfahren bietet eine unglaublich intensive Beziehung zum Land und den Menschen.
Die Menschen:
an jedem Radtag begegne ich Tausenden und ich versuche, mit so vielen wie möglich, einen Blickkontakt herzustellen und ihnen zuzulächeln. Bei der ganzen Begeisterung, die uns entgegenschlägt, ist es eher schwierig, indifferent zu bleiben. Die Leute lachen, grienen, winken und schreien. Nur ganz selten ist mal ein mürrisches Gesicht dabei. Wenn der Kontakt auch sehr kurz ist, so ist er doch tausendfach. Bin ich mal in ein Gespräch vertieft oder der Blick ist bei schneller Fahrt starr auf die Straße gerichtet, so sind sie schon enttäuscht, wenn ich keine Notiz von ihnen nehme. Ich rufe ihnen ein ‚Good Morning‘ zu oder in Tansania ‚Djambo‘. Und es dröhnt ein ‚Djambo‘ zurück. In Malawi heißt es ‚Monire‘ und die Antwort: ‚EAH‘ nimmt oft einen chorartigen Charakter an.

Das Land:
Afrika ist kein uniformer Monokontinent. Oft fallen mir beim Überschreiten der Grenze mehr Unterschiede auf, als wenn ich in Europa nach Frankreich, Italien oder Tschechien wechsle. Wüsten, Steppen, Gebirgslandschaften und jetzt die giftgrünen Tropen habe ich bisher gesehen und manche Landschaften sind von so atemberaubender Schönheit, dass mir beim Fahren der Mund offen steht und ich zusehen muss, dass mir kein Insekt hineinfliegt.

Der Sport:
Dass ich als wenig geübter Radfahrer mit keinem einzigen Racer mithalten könnte, war mir ja von Anfang an klar. Mein Augenmerk ist auf das Ankommen an jedem Etappenziel und natürlich in Capetown gerichtet. Es macht mir Spaß, meine Grenzen auszutesten und mein Leistungsvermögen zu steigern. Ich bedaure die Leute im Lunchtruck und bin (fast) immer froh, auf dem Fahrrad zu sitzen. Inzwischen habe ich 63 Etappen absolviert mit je weit mehr als 100 km, was ich mir vorher nicht unbedingt zugetraut habe.

Die Mitradler:
…sind mittlerweile schon etwas unübersichtlich geworden. Natürlich macht es Spaß, die Menschen aus so vielen Ländern und allen Kontinenten zu beobachten. Bei so langer und intensiver Lebensweise, kommt der Charakter ziemlich klar zum Vorschein. Ein Vorteil, über etwas mehr Lebenserfahrung zu verfügen, ist sicher der, dass man nicht bei jedem Schaulaufen dabei sein muss, sondern sich zurückhält und mit denen umgeht, mit denen man gut zurecht kommt.

Kontra:

Stresssituationen:
... sind vor allem die ungewohnten täglichen Routinen. Das frühe Aufstehen schon vor 5 Uhr morgens, Anstehen vor der Toilette, beim Kaffee, beim Abfüllen der Trinkflaschen, beim Abspülen des Geschirrs, beim Essen fassen. Rückzugsmöglichkeiten gibt es kaum für mich. Erst wenn ich früh abends im Bett liege, habe ich ein paar Gedanken an den Tag. Kurz danach liege ich aber schon in Morpheus‘ Armen.

Ich denke angestrengt über weitere Dinge nach, die mich nerven. Es fallen mir keine gravierenden ein. Von Gesundheitsproblemen bin ich weitgehend verschont geblieben. Die Hitze ist halb so wild. Da nervt eher der Regen (s.o.).

Ich freue mich schon sehr auf zu Hause, auf Ruhe und Normalität. Aber genauso freue ich mich auf jeden neuen Tag, den ich in Afrika sein darf.

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8 Antworten zu 01.04.2013 Frohe Ostern, Danke und Zwischenbilanz

  1. Püschel schreibt:

    Lieber Kurt,
    mit großer Bewunderung verfolgen wir die Tour d’Afrique von Anfang an. Deine ausführlichen Tagebuchtexte lesen wir mit Begeisterung. Wir sind sehr gute Freunde (seit Kindheit) von Volker, sind etwa im gleichen Alter und haben sehr viele gemeinsame Radtouren gemacht. Wir haben versucht, mit Volker Verbindung (2 Emails) aufzunehmen, aber leider keine Rückmeldung bekommen (außer einer Kurzmeldung aus Gonder/Äthiopien). Bitte richte ihm auf diesem Wege die herzlichsten Grüße aus. Hoffentlich meldet er sich nochmals bei uns.
    Die ganze Tour ist für uns spannender Wahnsinn und ein echtes Abenteuer. Wir freuen uns über jeden Kommentar über die Tour, aber besonders über Deine Tagebucheintragungen und Fotos. Man hat dann das Gefühl, dieser Tour doch etwas näher zu sein.
    Gesundheit und weiter Super-Kondition bei diesen teilweise extremen Bedingungen wünschen von ganzem Herzen
    Manfred und Hannelore aus Leverkusen

  2. Ruth schreibt:

    Hallo Kurt
    Obwohl Hubert nach seiner Bruchlandung nicht mehr mitradelt, verfolgen wir deinen Blog wann immer er im Netz ist. Es ist hochinteressant und aufschlussreich. Wir wünschen, dass noch unzählige fantastische Momente auf dich warten. Gute Fahrt!
    Grüsse von Ruth und Ruedi aus Luzern

  3. Thomas Blum schreibt:

    Lieber Kurt,
    Es ist immer wieder interessant in deinem Blog zu lesen und deine Abenteuer in Afrika zu verfolgen.
    Wenn wir diese tollen Bilder sehen, wird man schon ein wenig neidisch, es ist warm und sonnig. Bei uns ist es immer noch A….kalt und ungemütlich. Ein nie endender Winter :-).
    Dir und deinen Mitstreitern noch eine gute und sichere Fahrt. Bleib gesund.
    Thomas, Rahel und die Jungs.
    P.S. Lieben Gruß an Tim.

  4. Hubert Steinhauser schreibt:

    Lieber Kurt, ich folge deinem Blog taeglich. Bitte check mein blog http://hubertdafrique.wordpress.com/
    Ich habe mir naemlich die Freiheit genommen meine Leute auf deinen Blog aufmerksam zu machen und hoffe, dass dir das recht ist.
    Du machst da einen Superjob, bist informativ und unterhaltsam. Thanks.
    Ich habe heute die Bestaetigung durch einen weiter ein CT erhalten, dass alle 12 gebrochenen Knochen NICHT verschoben sind und somit keine Operation noting wird. Das war wohl mein Oster Geschenk. Ich verweigere Painkillers damit ich keine unerwartete Dummheiten mache. Das scheint sich zu bewaehren.
    Ich wuensche euch Dreien sichere Fahrt, viel Spass und Abenteuer.
    Mit liebem Gruss an alle, Hubert

  5. juliandheri schreibt:

    Hallo Kurt,
    viele aufmunternde Grüße von Juli und Heri. Auch wir lesen immer wieder gerne deine Berichte, und manchmal kommt auch ein bischen Fernweh auf: Das ist schon eine unglaublich tolle Sache, die du da erlebst. Du solltest (nach deiner Rückkehr) ein Buch schreiben, das Talent dazu hast du!! Zunächst aber nun die gemeinsame Reise mit Kathi und Tim: Grüß sie schön von uns und nimm ein bischen Rücksicht wenn sie nicht so schnell sind wie du! Viel Spaß zusammen!
    Halt weiterhin die Ohren steif und die Beine in Form und toi toi toi, dass du gesund bleibst.
    Juli und Heri

  6. Birgit und Friedhelm schreibt:

    Hallo Kurt, frohe Ostern und weiterhin alles gute auf deiner beindruckenden und erlebnisreichen Fahrt durch den afrikanischen Kontinent. Fast jeden Tag schaut einer von uns in deinen Blog, um die neuesten Ereignisse und Abenteuer deiner Tour zu erfahren. Es ist gut zu wissen, dass dir die körperlichen Strapazen dir wenig zu schaffen machen und du alles so nonchalant wegsteckst. Wir sind gespannt, welche weiteren Geschehnisse und Eindrücke dich noch erwarten. In Begleitung von Kathi und Tim werden die beiden folgenden Wochen bestimmt sehr schön für dich sein. Viele Grüße und alles Gute wünschen dir Birgit und Friedhelm

  7. Dennis K. schreibt:

    Lieber Kurt, immer wieder lese ich gerne Deine Kommentare und Gedanken. Mir ging es ebenso, ab Lilongwe beschäftigte ich mich erstmal damit, dass diese lange und eindrucksvolle Reise irgendwann zu Ende geht. Kommt mir vor wie ein deja-vu !

    Toi, Toi, Toi für das letzte Drittel. In Sambia direkt an der Grenze zu Mosambik steht am 3., 4. oder 5. Tag kurz vor dem Etappenende ein Schild, Santa’s Nest – ice cold beer. Kaltes Bier wirst Du da nicht finden, vielleicht aber König Nyalugwe… grüß ihn mal von mir 😉

    http://tourdafrique2011.wordpress.com/2011/04/09/his-royal-highness-honourable-chief-nyalugwe/

    • Ludger Wessel schreibt:

      Lieber Kurt,
      wir haben dich nicht vergessen, haben aber manchmal Mühe bei deinem Tempo mitzuhalten. Die Ereignisse zu Hause halten uns ganz schön auf Trab. Trotzdem, deine Berichte und Fotos haben wir immer begierig verfolgt. Und wir sind froh, dass du ohne gravierende Probleme durchgekommen bist.
      Dabei fiebern wir auch allmählich heimlich auf deine Rückkehr hin. Bis dahin noch ein langer Weg…. Bleib weiter gesund und hoch motiviert!
      Ganz liebe Grüße – auch an Tim und Kathi – aus dem immer noch winterlichen Deutschland.
      Ludger und Sylvia

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