08.04.2013 Schießerei in Sambia

Mittwoch, 03.04. von Lilongwe nach Chipata

1. Etappe

… vor dem Start

an der Grenze

an der Grenze

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Schon morgens um halb sieben stehen hunderte von Kindern am Straßenrand der malawischen Hauptstadt. Kathi und Tim staunen erst mal verdutzt, bevor sie nach einiger Eingewöhnungszeit routiniert zurückgrüßen: Kathi mit Einsprengseln in der jeweiligen Landessprache. Denn schon am frühen Nachmittag wechseln wir das Land und kommen nach: Sambia (Walthers alte Heimat). Wir besorgen uns ein Mehrfach- Einreisevisum, weil wir an den Viktoriafällen noch viel vorhaben und sie uns auch von Simbabwe aus ansehen wollen. Schließlich haben wir alle Stempel im Pass und trotzdem öffnet sich die Grenze nicht für uns. Mühsam bugsieren wir die Räder durch ein Loch im Zaun und legen die letzten km bis in ‚Mama Rulas Camp‘ zurück.

Finish 1. Etappe

Finish 1. gemeinsame Etappe

Donnerstag, 04.04. von Chipata nach Petauke 176 km 1288HM

Frühstück 2. Etappe

2. Etappe Frühstück

Für die meisten ist dies die längste, je auf dem Radel zurückgelegte Strecke. Bis Mittag vergeht die Zeit im Flug, da ich mit Kathi radele und von ihr mehr von Afrika erfahre, als ich in einem Buch lesen könnte. Doch dann werden wir von der afrikanischen Wirklichkeit eingeholt: beim Lunchtruck essen, sitzen und schlafen alle anderen Radler. Nanu? Die müssten doch längst über alle Berge sein. Für 11:00 Uhr ist ein Kommuniqué der Tourleitung angekündigt, ob wir weiterfahren können oder nicht. Was ist passiert? In Katete, einer 4 km entfernten Stadt ist es zu Unruhen mit Geschäftsplünderungen gekommen. Die Stadt soll noch von Rebellen beherrscht sein. Ein Militärfahrzeug nach dem anderen rollt in die Stadt.

Ich denke: Das ist doch genau der Grund, warum die krisenerfahrene und auf Deeskalation bedachte Kathi und der multikulturell ausgebildete Tim hier eingeflogen wurden.

Schießerei

Schießerei

Um 11:00 Uhr bekommen wir grünes Licht und fahren im Konvoi weiter. Die Stadt ist gespenstisch leer und alle Geschäfte geschlossen. Na gut, noch mal Glück gehabt. Doch, plötzlich, ausgangs der Stadt, sehen wir Straßenbarrikaden: brennende Reifen. Die Riot-police beginnt zu schießen und die Aufständischen laufen um ihr Leben. Plötzlich fallen auch hinter uns Schüsse. Sind wir eingekesselt? Am Straßenrand drückt die Militärpolizei mit aufgesteckten Bajonetten einige Aufständische auf den Boden. Es geht ca. 15 Minuten mit (einseitiger) Schießerei seitens des Militärs weiter – dann ist der Weg frei und wir dürfen weiterfahren.

Bierstop

Bierstop

Somit erleben wir nicht nur die längste, sondern auch die gefährlichste Etappe – bislang!

Freitag, 05.04. von Petauke nach Luangwa Bridge 172 km 1350 HM

Schulschluß

Schulschluß

Wieder eine lange Klettertour, bei der ich erst vor Einbruch der Dunkelheit eintrudele. Tim ist schon da und begrüßt mich mit einem kühlen Bier. Kathi musste, erkältet und entkräftet den Truck aufsuchen. Die Racer, die Stunden vor uns ankamen, haben schon eine Kanutour auf dem Luangwa-River, einem Nebenfluss des Sambesi, hinter sich.

Finish 3. Etappe

Finish 3. Etappe

Wir verbringen den Abend gemeinsam mit Roger, sozusagen als Entschädigung, an der Bar der von Holländern geführten Lodge.

Samstag, 06.04. von Luangwa Bridge nach Schoolcamp 124 km 1631 HM

Obstfrauen

Obstfrauen

Alle sind voll des Lobes über unsere in Lodges gelegenen Quartiere. Diesen Komfort mussten wir lange Zeit entbehren. Nur Tim hätte es als ehemaliger Pfadfinder lieber etwas abenteuerlicher und ursprünglicher. Heute kommt er auf seine Kosten. Wir campen auf einem Soccerfield, ohne Duschen, ohne Toiletten.

Sonntag, 07.04. von Schoolcamp nach Lusaka 104 km 851 HM

Dinner in Lusaka

Dinner in Lusaka

Nach den vergangenen Hammeretappen ist dies nun wirklich ein Katzensprung und gegen Mittag radeln wir in der sambischen Hauptstadt Lusaka ein und beziehen ein Camp auf dem Gelände des ‚Great East Hotels‘. Ein Tag Pause.

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3 Antworten zu 08.04.2013 Schießerei in Sambia

  1. Jan schreibt:

    „auf Deeskalation bedachte Kathi“?? Ich hab langsam das Gefühl, dass Kathi das ganze Ungemach magisch anzieht…
    Dann passt mal auf euch auf und frohes Radeln noch

  2. Kuddi schreibt:

    Hallo Kurt,
    Ich lese immer noch Deine Beiträge und wenn ich auf „Kommentar verfassen“ drücke, bin ich sprachlos. Das was Du erlebst übersteigt einfach meine Vorstellungskräfte!
    Viele Grüße von Kuddi

  3. Birgit Dewenter schreibt:

    Hallo lieber Kurt, dein Bericht liest sich wie ein spannender Abenteuerroman. Schüsse hinter euch, Aufständische laufen um ihr Leben….etc. – da steigt doch jeder Adrenalinspiegel! Passt gut auf euch auf!! Eure Tagesetappen haben es ja auch in sich – Wahnsinn so viele Kilometer zu radel und sicher nicht auf nur gut ausgebauten Straßen. Das ist schon beneidenswert!
    Von hier gibt es nicht annähernd was Aufregendes bzw. irgendwelche nennenswerten Neuigkeiten zu berichten. Hier sind noch alle irgendwie im Winterschlaf, wir richten uns so langsam auf. Die Temperaturen lagen heute schon mal im unteren zweistelligen Bereich – aber immerhin. Es kann nur besser werden. Egal ob es noch mal schneien soll oder nicht – Freitag kommen Sommerreifen auf unser Auto!
    Superschön auch, dass du deine Abenteuerreise zeitweise mit deinem Sohn erleben darfst.
    Wir wünschen euch eine ruhige Fahrt ohne Schießereien, steinewerfende Kinder, streunende Hunde und was sonst da alles so passieren kann aber nicht soll und wir denken an euch! Liebe Grüße auch an Kathi und Tim aus der kalten Heimat im schönen Weserbergland von Franz und Birgit.

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