26.04.2013 Botswana, Naturschönheiten und die Königsetappe

Windhuk, 25.04.
Ihr Lieben,
Anstatt mir Windhuk  näher anzusehen, habe ich heute fast den ganzen Tag den Text rekonstruiert, den ich überschrieben hatte. Hier das Elaborat.

Liebe Grüße

Kurt

Montag, 15.04. von Kasane ins Bush-Camp 172 km

Gestern, in Kasane, waren wir in einer Edellodge: Roger und ich erreichen das kurze Etappenziel. Er hält Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz und stürzt dabei mit dem Fahrrad über eine riesengroße Wurzel. Er schlägt hin und seitdem ist er sich nicht sicher, ob er eine gebrochene Rippe hat oder nicht. Mein Zelt schlage ich direkt am Sambesi auf. Ich bin nur durch einen elektrischen Zaun getrennt. Als ich den Grund für diese Vorsichtsmaßnahme wissen will, sagt man mir, dass schon mal gerne Krokodile und Elefanten vorbeischauen.

IMG_9267_800x600Am Swimmingpool genieße ich das erste gezapfte Bier in Afrika. Dort treffe ich auf Touristen, die ab Nairobi den gleichen Weg nehmen wie wir; nur eben im Bus. Einer berlinert: ‚ Jetzt ha ick so ville bezahlt un darf dafüa um fünfe uffstehn un jede Mahlzeit uffe Knie zu mia nehm.‘ Als ich ihm sage, dass es uns so ähnlich geht, nur dass wir dazu auch noch radeln, schüttelt er ungläubig den Kopf.

IMG_9270_800x600Von Kasane bis Maun begleitet uns der Elefantenmann: Ein alter, weißer Botswaner fährt in seinem Jeep Streife, das Gewehr direkt neben seinen Knien liegend. Er soll Sicherheit vermitteln und uns vor Angriffen der Dickhäuter schützen. Sie sind zwar die modernen Dinosaurier, doch weit weniger gefährlich. Sehen wir einen, bleiben wir in gebührender Entfernung stehen, machen unser Foto und fahren weiter. Ich sehe noch Strauße, andere sehen Zebras und Giraffen.

Das heutige Bush-Camp ist in seiner Schlichtheit nicht zu überbieten. Es gibt nichts. Keine Dusche, kein Bier. Dafür darf ich noch einen schleichenden Platten flicken. Als ich mit der Stirnlampe am Kopf und laut fluchend nach der Ursache im Reifen herumfingere, hat Sibylle (nicht meine) ein Erbarmen. Mit ihren geschickten Frauenhänden findet sie den Draht sofort. Diese Drähte sind die häufigste Ursache für Reifenpannen. Sie sind Relikte von geplatzten LKW-Reifen, die bis auf die Karkasse abgefahren werden.

Erst neulich schlug mir bei einem überholenden PKW so ein Geschoß ans Bein. Ich dachte, es sei ein Stein. Wenig später überholte ich den PKW-Fahrer, der verdutzt auf seinen zerfetzten Reifen blickte.

Dienstag, 16.04. vom Bush-Camp nach Nata 146 km

Mittwoch, 17.04. von Nata ins Bush-Camp 182 km

Als ich, noch zu Hause, Dennis frage, wie das in Afrika mit der Orientierung so geht, sagt er:
In Botswana ist das ganz leicht. Du fährst 400 km geradeaus. Dann kommt eine Rechtskurve und du machst nochmal 800 km und du bist durch.‘

Genau an dieser Rechtskurve befinden wir uns heute Morgen. Ein Menschenauflauf, Polizei und Ambulanz. Ich sehe einen gelben Helm, der zu Klaus gehört. Der Arme ist, von einem Tieflader gestreift, zu Boden gestürzt und auf seine neue Hüfte gefallen.
In Maun sehe ich ihn in einem Rollstuhl sitzend wieder. Er ist zuversichtlich, ab Windhuk wieder mitfahren zu können.

Donnerstag, 18.04. vom Bush-Camp nach Maun 136 km

Freitag, 19.04. Restday

Die Etappen vor den Restdays sind immer anstrengend, da ich ausgelaugt und kaputt bin. Doch die Aussicht auf den freien Tag hilft, die Schmerzen zu überwinden. Ich freue mich auf Maun, das Zentrum im Okavangodelta, eine wasserreiche Gegend und ein großes Wildreservat. Nachdem ich fertig bin mit Wäsche waschen und Blog schreiben, werden Roger, Volker und ich zu einem Helikopterflug abgeholt.

IMG_9315_640x480Der südafrikanische Pilot erwartet uns zu einem einstündigen Flug über das Delta. Es wird eine luftige Angelegenheit, denn Türen hat der Heli nicht. Atemberaubend ist es auch und eine tolle Ergänzung zu unserer ersten Safari.

IMG_9304_640x480Büffel sehen wir zu Hunderten, dazu Pelikane, Zebra-, Giraffen- und Elefantenherden. Ein riesiges Buschfeuer sehen wir leider auch. Wenn der Pilot das Fluggerät bis auf 5 Meter hinab steuert, dann umklammere ich meinen Sitz etwas fester.

Roger gefällt es hier so gut, dass er eine Safari bucht und uns zwei Tage später mit dem Bus nachreist.

Samstag, 20.04. von Maun ins Bush-Camp 157 km

Sonntag, 21.04. vom Bush-Camp nach Ghanzi 140KM

Meist fahre ich jetzt alleine durch eine flache, langweilige, fast menschenentleerte Landschaft. Es gibt keine neue Nahrung für die Augen und die Sinne. Meine Gedanken sind alle aufgebraucht und ich schalte auf ‚Stand-By‘ Modus.

IMG_9342_1600x1200Auch die Straße erfordert keine allzu große Aufmerksamkeit. Der Asphalt ist rau und fast ohne Löcher. Manchmal schließe ich mich einer Fahrerformation an, und trainiere schon mal den Wechsel beim Fahren. Jetzt gelten meine Gedanken schon dem morgigen Tag, an dem die Königsetappe mit 207 km ansteht. Mir ist klar, dass diese Hammeretappe nur gemeinsam zu schaffen ist. Doch es soll ganz anders kommen.

Unsere schicke Lodge in Ghanzi liegt 3 km abseits der Straße und der Weg führt durch tiefen Sand, durch den ich mein Fahrrad mehr trage als schiebe. Nach der Hälfte der Strecke steht, wie zum Hohn, ein Schild mit der Aufschrift: ‚Almost Arrived‘.

IMG_9348_1600x1200Im Camp macht sich Unmut breit, denn auch die anderen haben gemerkt, was morgen auf dem Programm steht:

  1. Das Velo 3 km durch den tiefen, tiefen Sand schieben
  2. mal eben 207 km abspulen
  3. Grenzübergang nach Namibia ins Camp und das alles vor einsetzender Dunkelheit

Für mich ist das fast unmachbar. Ich liege schlaflos in meinem Zelt und tüftele einen Plan aus. Vorher sage ich noch Caroline Bescheid, sie möge mich um 4.30Uhr wecken (einen Wecker habe ich nicht).

Montag, 22.04. von Ghanzi nach Buitenpos (Namibia) 207 km

Ich schlafe schlecht und wache schon lange vorher auf. Schnell verstaue ich meine Klamotten im Locker, schlürfe noch einen heißen Kaffee, der wunderbarerweise schon bereitet ist, packe mein Fahrrad und mache mich auf den Weg. An dieser Stelle bin ich meinem Raderbauer Uli dankbar, dass er mir eine Lichtanlage spendiert hat, denn sonst hätte ich mich verlaufen.

IMG_9347_1600x1200Ich fühle mich wie ein Dieb. Verstoße ich gegen das TdA-Reglement? Nein, entscheide ich, denn ich schiebe ja mein Rad. Plötzlich taucht ein Schwarzer vor mir auf und leuchtet mir mit der Taschenlampe ins Gesicht. ‚Geld, Fahrrad oder Leben!‘

Nein, es ist nur die Lodge-Wache, die mir freundlich das Gatter öffnet. Als ich auf der Straße stehe, schickt die Sonne gerade ihre ersten Strahlen über den Rand des Horizonts. Voller Elan schwinge ich mich aufs Rad und strampele was das Zeug hält. ‚Verflucht ist das kalt.‘ Ich fahre einhändig und puste die andere Hand warm. Stundenlang strampele ich wie in Trance. Erst kurz vor dem Lunch-Stop bei km 79 holen mich die ersten ein, die sich wundern, wie weit ich schon gekommen bin. Weiter geht’s- alleine. Die Formationen, auf die ich treffe, sind entweder zu schnell oder zu langsam. Um 16.15 Uhr erreiche ich völlig ausgepumpt und leer die Grenze. Ausreise: Botswana – Einreise: Namibia und nur noch 1km bis zum Camp. Hier begrüßt mich Roger, der mich aus dem Bus freundlich winkend grüßte, mit einem kühlen Bier.

IMG_9361_1600x1200Kaputt aber zufrieden baue ich das Zelt auf. Beim Abendessen brauche ich heute mehrfach Nachschlag. Ein paar Radler treffen erst jetzt ein. Es ist schon dunkel. In dieser Nacht schlafe ich besser. Zum Undank müssen wir morgen eine Stunde eher aufstehen. Namibische Zeit!

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7 Antworten zu 26.04.2013 Botswana, Naturschönheiten und die Königsetappe

  1. Alex hach. schreibt:

    Hi Kurt – ich habe mittlerweile das Gefühl das du die Schweizer als „Blitzableiter“ suchst…alle Fallen und brechen sich alles mögliche, nur Kurt fährt weiter. 😉 viel Spaß noch und dann kannst du dich bald wieder auf dem r1 austoben.

    Alex

  2. Dennis K. schreibt:

    Lieber Kurt,

    das Schöne an Botswana ist ja dass Namibia folgt. Die nächste Woche aus Namibia war landschaftlich für mich die Schönste. Genieße Sie und Deine 2000km lange Zielgerade. Achte darauf, dass Du morgens warm genug kleidest bist und auf den letzten 5 Tagen auf den Verkehr. Dann steht Deinem großen Ziel EFI nichts mehr entgegen, ich drücke Dir auf jeden Fall weiterhin die Daumen.

    Dennis

  3. Birgit Dewenter schreibt:

    Lieber Kurt, es macht so viel Spaß deine spannenden Berichte zu lesen und die Fotos anzuschauen. So sind wir immer ein Stück dabei. Du verzichtest dann auch noch auf eine Entdeckungstour durch Windhuk, um uns mit Infos zu versorgen- sehr löblich! Eine Tagesetappe von über 200 km hätte mich (B.) auch nicht schlafen lassen! Irre..!
    Bald bist du wieder bei uns und wir freuen uns schon auf Pfingsten – Kegeltour an den Rhein mit lecker Wein. Wir radeln nicht aber wir wandern! Weiterhin alles Gute für die restliche Tour, pass gut auf dich auf! Herzliche Grüße aus der Heimat senden Franz und Birgit

  4. Sabine Vieres schreibt:

    Lieber Kurt,
    Krokodile, Elefanten, Tieflader, Drähte, Königsetappen … Es scheint, dass dich nichts anfechten kann! Du hast offensichtlich einen aufmerksamen Schutzengel, der dich hoffentlich für die restlichen Etappen vor Unbill bewahrt. Unser Leben hier ist angesichts deiner Berichte ein lahmer Zock. Aber zumindest herrscht kein Mangel an kaltem Bier! Wir vergnügen uns mit ersten Grillabenden und fußballerischen Erfolgen, Motorradtouren und Gartenarbeit.
    Für dein „EFI-Programm“ drücken wir die Daumen und senden herzliche Grüße
    Jean + Sabine

  5. Hubert schreibt:

    Dear Kurt,
    das macht ja echt Vergnuegen bei einem Bier deinen Blog zu lesen. Offensichtlich bist du nach wie vor EFI, hang in there my friend, du wirst es schaffen, Distanzen hin oder her aber pass auf die Sattelschlepper auf. Zur information, dein Blog wird auch in Washington mindestens von den Deutsch sprechenden mit grossem Interesse verfolgt.
    Ich bin in der Zwischenzeit wieder in den USA und hoffe Mitte Mai mit Kurzarbeitszeit auf der Botschaft wieder anzufangen. Bis dann bist du auf jeden Fall wieder zuhause in Deutschland.
    Ich sende die die besten Wuensche alles Gute und viel Erfolg mit dem Rest der Tour.
    Bis dann mit herzlichen Gruessen auch an Roger, Hubert

  6. Anja Karimi schreibt:

    Lieber Kurt,
    also das frisch gezapfte, afrikanische Bier, hast du dir wirklich redlich verdient!
    Vielen Dank dür deine supertollen, authentischen Berichte, die uns jedesmal
    unsere Herzen höher schlagen lassen.
    Bist du sicher, dass der Touri ein Berliner war und nicht Papa?
    Er, als Kölner, hätte vielleicht noch hinzugefügt :,,Dat is ja dä Hölle.“
    In gut einer Woche wirst du die Grenze zu Südafrika erreichen und hast
    dann fast dein Ziel erreicht. Chapeau!!
    Wir alle, als Teil deiner Familie, sind sehr stolz, dich als Onkel, Großonkel und Schwager
    zu haben und erwarten bereits voller Sehnsucht, deine Rückkehr.
    Take care and take it easy (Zitat Nico), denn bald hast du es geschafft (EFI wartet schon
    auf dich).

    Liebe Grüße,
    Anja und der gesamte Rest

  7. Nathalie Nesseler schreibt:

    Mon admiration pour ton exploit grandit de lecture en lecture ! Chapeau! Tiens bon et bon courage pour la suite ! Je lis avec grand interêt Hardy Grüne et suis partie dans mes rêves …
    Weiterhin bonne route et toutes mes félicitations,
    Liebe Grüsse

    Nathalie Nesseler

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