29.04.2013 Teil I der „Diamond Coast“

Freitag, 26.04. von Windhoek nach Weißenfels 114 km 1300 HM

Heute beginnt der letzte Abschnitt der Tour, ‚Diamond Coast‘ genannt, über 1732 km. Dennis nennt sie ‚eine der schönsten Zielgeraden der Welt‘. Ehrlich gesagt, hatte ich schon kürzere. Ich bin früher die Mittelstrecke gelaufen und da war die Zielgerade höchstens 100m lang.

Von der Küste werde ich nichts zu sehen bekommen, denn dazwischen liegt die Namib-Wüste. Mit 1000 km wartet die längste Offroad-Passage und noch mal eine echte Herausforderung auf mich.
Zum Frühstück heute fährt ein Taxi vor. Heraus steigt der Däne Klaus, auf Krücken gestützt. Es ist nichts mit seiner Wiedereingliederung. Er hat, wie Hubert, einen Beckenbruch. Auch seine zweite Tourteilnahme kann er nicht beenden. Wir umarmen uns und ich kann die Tränen nur schwer unterdrücken. Klaus ist ein sehr leiser Ex-Schulrat. Meist antwortet er nur mit ‚Yes‘.
Und ich dachte immer, dass sich deren Karrieren auf ihre Blubberei gründet. Vielleicht ist das in Dänemark anders wo auch leise Menschen ihre Chance bekommen.

Die Offroadpassage hat noch nicht richtig begonnen, da fegt es Sybille vom Rad. Sie trägt Verletzungen im Gesicht davon. Als ich ihr abends tröstend sage, dass bis zu ihrer Hochzeit alles wieder verheilt ist, fragt sie: ‚Welche Hochzeit?‘ Nicht immer gelingen meine Scherze.

Am Abend, nach getaner Arbeit, sitzen Roger, Volker und ich mit der Wirtin von Weißenfels bei einem Glas Rotwein zusammen. Sie erzählt in akzentfreiem Deutsch, obwohl sie noch nie in Deutschland war: Ihr Mann sei aus Südafrika, sie sei Herrin über 130 Pferde und 200 Rinder, früher habe es hier noch Elefanten, Nashörner und Giraffen gegeben, geblieben seien aber noch einige Leoparden, die schon mal ihre Tiere reißen, auch gebe es Diebe, die ihre Rinder stehlen, aber sie könne sich kein anderes Leben als das ihre hier vorstellen.

Samstag, 27.04. von Weißenfels nach Solitaire 124 km 577 HM

Wir klettern über den Spreetshooge-Paß und blicken in die Tiefe.

IMG_9408_1400x1050Zunächst nur Staunen, dann hört man: ‚Wow, awesome, incredible, crazy‘: Unter uns breitet sich die Wüste Namib in ihrer ganzen Schönheit aus. Staunen, Verweilen und Fotos machen, dann geht’s weiter.

Der nächste Stopp ist im Gecko-Camp. Hier hat sich ein Schweizer Paar niedergelassen. Er stellt Messer her und sie Schmuck. Ob das reicht? Sonst gibt es nichts rundherum: nur Sand, Steine und Sonne. Ich unterhalte mich kurz mit der Schweizerin und auch sie macht einen zufriedenen Eindruck. Mich zieht es in unser Camp Solitaire. Hier soll es eine deutsche Bäckerei geben. Und tatsächlich: mehrere Brotsorten und bestimmt 20 Kuchen- und Teilchensorten. ‚Wer kauft hier sonst?‘ frage ich mich. Ist mir aber egal. Ich kaufe Apfelstrudel und zeige auf ein Teilchen: ‚Schweineohr‘ sagt die schwarze Verkäuferin. ‚Yes, Schweineohr‘, bestätige ich.

In all diesen einsam liegenden Camps finden sich Leute ein, die die Einsamkeit suchen und plötzlich ist es nicht mehr einsam. Es ist eine ganze Tourismusbranche, die auf diese Cowboy-Masche abzielt.

Sonntag, 28.04. von Solitaire nach Sesriem 85 km 295 HM

Hier wird ein Restday eingelegt, um uns Gelegenheit zu geben, die 60 km entfernte Sossou svlei-Düne zu besteigen. Ich besteige keine Düne, sondern verbringe den ganzen Tag in der vornehmen Sossousvlei-Lodge, in die sich Roger einquartiert hat, da es ihn schon vor drei Tagen mit einer Magen-Darm-Geschichte übel erwischt hat. Seitdem fährt er auch nicht mehr Fahrrad. Mir zeigt es, wie schnell es einen außer Gefecht setzen kann.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 9. Namibia veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s