05.05.2013 … persönliche Gedankenspiele und Biker-Mentalitäten

Liebe Kollegen…..und..innen

Ich denke an euch.

Nicht mit Wehmut… und nicht mit Schadenfreude….einfach nur so.

Wenn ich stundenlang daher pedaliere und das Auge nichts mehr zu sehen hat und der Verstand nichts mehr zu denken, dann …gucke ich auf meine Uhr und weiß:

  • 06:30Uhr        Aha, Sibille macht sich fertig für die Schule.
  • 08:01Uhr         Wer kommt da noch die Treppe raufgehetzt?
  • 09:35Uhr         ‚Erste große Pause‘ Ich versuche, mir die Reihenfolge des Erscheinens im Lehrerzimmer vorzustellen.
  • 09:52Uhr         ‚Erste große Pause ist lange zu Ende‘. Wer sitzt denn jetzt immer noch    im Lehrerzimmer? Es hat sich echt nichts geändert, seit ich nicht mehr da bin.

Gibt es eine Zeitverschiebung zu Deutschland, dann baue ich die auch noch ein. Ich muss ja etwas unternehmen gegen den geistigen Verfall. Auf jeden Fall seid ihr mir eine Hilfe, meinen Tag zu strukturieren.

The Race

Als im Januar ein Vorbericht über meine Tour in der ‚Neuen Westfälischen‘ erscheint, ruft schon am nächsten Tag eine Redakteurin von ‚SAT 1‘ bei uns an und sagt, dass sie gerne einen Bericht über mich und das ‚…längste und härteste Radrennen der Welt‘ machen möchte. (So stand es in der Zeitung und so ist auch der Wortlaut in der Ausschreibung des Veranstalters).

Ich bekomme einen Schrecken und versuche richtig zu stellen, dass ich zwar an der Tour d’Afrique teilnehme, aber nicht als Rennfahrer. Mein einziges Bestreben sei es, am Ende in Kapstadt anzukommen und unterwegs so viel von Afrika zu sehen wie möglich.

Die Stimme am anderen Ende klingt inzwischen schon sehr viel weniger interessiert und wir verabschieden uns auf unbestimmt.

In Kairo lassen sich ca. 80% der Teilnehmer am Tag vor dem Start einen elektronischen Chip geben, den sie um den Hals tragen. Sie wollen am Rennen teilnehmen und sich ihre jeweilige Tagesfahrzeit attestieren lassen und in einer Rangliste erscheinen.

Dazu loggen sie sich am Start ein und am Ziel wieder aus. Der Tagessieger wird an jedem Tag mit einer Plakette geehrt und erhält Beifall.

Die meisten Radfahrer sehen ihre Teilnahme dabei ganz locker. Sie können oder wollen nicht in die Entscheidung eingreifen, sondern nur mal sehen, wo sie im Vergleich mit anderen stehen. Dabei steigt allerdings der Ehrgeiz im Verlauf der Fahrt, da viele eine persönliche Verbesserung spüren.

Dann gibt es noch einen harten Kern der ‚Racer‘, der mehr oder weniger gleich bleibt. Sie fahren ganz cool nach den anderen los und rollen das Feld der meist einzeln Fahrenden von hinten auf. Diese etwa 4-8 Fahrer bleiben meist zusammen und verschärfen zum Schluss das Tempo und es kommt zu einem Endspurt – wie bei den Großen. Auf Teer fahren diese Renner einen Schnitt von über 30 km/h und Offroad immer noch weit über 20 km/h.

Manche Tage kann man als Streichergebnis nehmen, ‚Mandatory-Days‘ sind hingegen Pflicht.

Wer den sportlichen Renncharakter im Vordergrund sieht, findet hierbei seine Erfüllung. Ich bezweifle allerdings, dass sie bei diesem Vorbeiflug viel von Afrika mitbekommen.

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8 Antworten zu 05.05.2013 … persönliche Gedankenspiele und Biker-Mentalitäten

  1. Birgit Dewenter schreibt:

    Hallo Kurt,
    total irre, was du da machst.. (positiv gemeint)! Wir werden schon bald deine Reiseberichte vermissen. Schreib doch einfach weiter: Erlebnisse vom Weser- oder Fuldaradweg und/oder wo du sonst so rumradelst. Wir freuen uns auf nächste Woche, wenn wir mit dir in der Drosselgasse nen schönen Schoppen Wein trinken. Bis dahin viele und herzliche Grüße von Franz und Birgit

  2. Jan schreibt:

    Hi Papa!
    Alles Gute zum Vatertag! Ich vermute mal, dass die heutige Vatertagsetappe etwas anders ausfällt als die Touren, die sonst zum Vatertag anstehen…
    Hoffe, du hast noch genug Power und gute Beine, um die letzten Kilometer durchzustehen!
    Animooooooo

  3. Sabine Vieres schreibt:

    Lieber Kurt,
    in Gedanken pusten wir dir von hinten den nötigen Rückenwind zu, damit du es auf den letzten Offroad Etappen schaffst! Mein Gott, schon beim Lesen denken wir „nimmt das denn kein Ende??“ Für die Zielgerade senden wir die letzten Anfeuerungen „Hau rein, du schaffst das!!!“ Wenn ich vor Ort wäre, würde ich dich als Cheerleadergirl mit PomPoms anfeuern……
    Sei herzlich gedrückt, bis bald
    Sabine
    PS: Wenn’s nicht klappt mit EFI, ist das auch nicht so schlimm, wir stoßen trotzdem auf unseren African-Radler-King an!!

  4. Uwe Mayer schreibt:

    Hallo Kurt
    jetzt sind es wenige Tage bis zu Deinem Ziel und wir drücken die Daumen das alles gut geht.
    Danke für die vielen anschaulichen Berichte, trotz der Strapazen und technischen Umstände, die auch Einblicke in Dein Seelenleben wiedergaben.
    Es waren für uns Europäer doch sehr fremde Eindrücke die Du uns von den verschiedenen Etappen vermittelt hast.
    Für mich unvorstellbar das so lange durchzuhalten, dafür meinen vollen Respekt.

    Wir freuen uns auf ein Wiedersehen
    Uwe und Simone

  5. Kuddi schreibt:

    Hallo Kurt,
    am 3.5. schreibst Du „Es ist das erste Mal, dass mir an der Sinnhaftigkeit meines Tuns Zweifel kommen.“.
    Unvorstellbar für mich, dass Dir diese Gedanken am 3.5. das ERSTE Mal kommen !

    Ich werde am 11.5. an Dich denken und wünsche Dir für die letzten Tage und Kilometer ganz viel Glück und Gesundheit.

    Viele Grüße von Kuddi

  6. Ruth Steinhauser schreibt:

    TOI TOI TOI für die letzten paar Tage. Wir Kurt-Blog-Fans aus der Schweiz drücken die Daumen für den Endspurt zum efi TdA Triumph
    Ruth&Ruedi

  7. Karl Napf schreibt:

    Hallo Kurt – wir freuen uns immer wieder, Ihre informativen und auch amüsanten Berichte lesen zu können;
    weiter so und viel Glück auch für den letzten Teil der Tour.
    Fans des „Kurt-Blogs“

  8. Luddi schreibt:

    Danke, Kurt,
    für deine zuverlässigen und anschaulichen Berichte und Fotos. So können wir – wenn wir schon nicht dabei sind – doch wenigstens im Geiste dich auf deiner Tour begleiten. Deine Genugtuung über deine unbeschreibliche Motivation, dein Durchstehvermögen und die Überwindung des inneren Schweinehundes hast du dir wirklich erarbeitet und verdient. Wir könnnen natürlich nicht einmal annähernd von deinen Leistungen träumen, aber vielleicht weckst du in vielen von uns den Ehrgeiz, selbst einmal seine persönlichen Grenzen auszutesten. Ich fang mal wieder an im Freibad, unserer „Batze“, morgens um 8 Uhr die 1000 bis 1500 Metern zu schwimmen. Und nach deiner Rückkehr treffen wir uns vielleicht beim morgendlichen Schwimmen, um mit den anderen Fitnessfanatikern die Schwimmbahnen zu teilen.
    Noch ein paar f…. iches, lieber Kurt, dann kommst du als Efi-Champion zurück!
    Bis bald und den erträumten Erfolg, den du schon so gut wie in der Tasche hast….
    Viele Grüße mit Sylvia
    Ludger

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