13.05.2013 Teil IV Diamond Coast

Freitag, 10.05. von Elands Bay nach Yzerfontein 142 km 612HM

158 km – alles Offroad – hätten es sein sollen. Jetzt sind es 16 km weniger und der Offroadanteil ist gering. Die erste Variante hätte ein echter Stolperstein sein können, so ist es ein normaler Tag. Ich kann beruhigt schlafen und brauche keine Frühstartervariante wählen.
In der Tat ist der Offroad-Anteil mit 20 km überschaubar. Am Vorabend sagt man uns, dass wir gefälligst Gas geben sollen und das Rider-Meeting schon um 16:00 Uhr stattfände. Also Stress bis zum Ende. Ausruhen kann ich mich ja zu Hause.
Keine Ahnung, warum es diese verordnete Hast gibt. Es ist dann eine Preisverteilung auf die lustige Art: Eigenarten von uns Ridern werden aufs Korn genommen und jeder bekommt sein Fett weg. Manche werden echt rot, als sie anzügliche Unterwäsche oder Waschmittel überreicht bekommen. Ich kriege zusammen mit Italo und Kiwi John Duftstäbchen geschenkt, mit dem Hinweis, dass wir pflegeleicht seien und uns nie beschweren. Also: Kurt unauffällig wie immer. Jeder kriegt noch ein Radtrikot von der TdA geschenkt. Darin sollen wir morgen in Cape Town einrollen.

IMG_9544_800x600Danach geht es zum ‚Nachtessen‘, wie Roger sagt, auch wenn es erst 17:00 Uhr ist. Es ist das leckerste Essen der ganzen Tour: Fisch, Muscheln, Garnelen und Hummer. Da dies nicht jedermanns Sache ist, bleibt genug übrig und ich esse mich dumm und dämlich.

IMG_9550_800x600Als ich schon die Matratze abhorche, singt der junge Phil zur Gitarre ein Lied, von dem ich nur den Refrain verstehe ‚...on our way to Cape Town‘.

Am letzten Abend soll er es noch einmal beim Abschiedsdinner zum Besten geben.

Samstag, 11.05. von Yzerfontein nach Capetown 61 km und 31 km im Konvoi

Magisches Datum – darauf habe ich hin gearbeitet. Jetzt heißt es, das letzte Mal die Radklamotten überstreifen, das letzte Mal das klatschnasse Zelt zusammenrollen und überhaupt – alles zum letzten Mal machen….

IMG_9553_800x600Während der ganzen morgendlichen Fahrt sehen wir unser Ziel vor Augen: den Tafelberg von Cape Town – eines der 7 neuen Weltwunder. Zusammen mit Sybille und Roger rolle ich in Kreft-Bay ein. Auf dem Programm steht: Lunch – Photos on Beach – Line up for Convoy – Convoy starts. Ab jetzt muss alles klappen, tut es aber nicht.

IMG_9579_800x600Polizeieskorte mit Wagen und Krädern stoppen wieder. Grund: Bridget hat einen Platten und Tessas Kette ist gerissen. Beide Damen kommen aus Südafrika und viele Zuschauer sind nur für die beiden hierhergekommen. Mit Verspätung fahren wir nach Cape Town rein, ein absolut geiles Gefühl. So wie die ‚Tour de France‘ auf den Champs Elysées endet, so führt uns die Tour d’Afrique ins Zentrum von Cape Town, an die Waterfront.

IMG_9597_800x600Mir wird das Fahrrad abgenommen, ich werde um ein paar Straßenecken auf eine Empore mit einem Büffet geleitet. Nach der Kräftigung werden wir nach Nationalitäten aufgestellt, Volker, mit 70 unser Ältester, bekommt die deutsche Fahne in die Hand gedrückt und zur Musik einer Band gehen wir auf eine Bühne.

IMG_9592_800x600Die Ordnung bleibt nicht lange bestehen. Ausgelassen hüpfen wir über die Bühne und sprengen die vorgegebene Ordnung. Gottseidank kurze Reden, dann Medaillen für die ‚Full-Tour-Rider‘ und dann bekomme ich vom Tour-Chief Ciaran die ersehnte ‚EFI- Medaille‘ umgehängt.

EFI for ever

Eine Zentnerlast fällt von mir ab. Natürlich habe ich ‚Every Fabulous Inch‘ vor Tourbeginn im Auge gehabt. Doch das war, bevor ich den ersten Kilometer von knapp 12000 abgestrampelt habe.

IMG_9599_800x600Nicht zuletzt durch eure Anfeuerungsrufe ist der Druck immer größer geworden und ich war bereit, um meine ‚kapriziöse Kurtisane‘ zu kämpfen. Da ich von größeren Stürzen und Krankheiten verschont geblieben bin, hatte ich auch das Glück, mein Ding durchzuziehen.

Wenn ich mich im Kreis der EFIs umschaue, dann sind es vor allem die leistungsstarken jüngeren Fahrer. Etwas mehr als eine Handvoll Ü-50-Fahrer bleiben übrig, doch ich bin der absolut Älteste unter ihnen.

IMG_9565_800x600Natürlich macht mich das stolz, da ich das von mir selbst nicht geglaubt hätte. Auch wenn am Ende nicht zu übersehen war, dass ich kräftemäßig am Ende war, so haben mir viele Mitradler Mut zugesprochen und Anerkennung gezeigt.

IMG_9625_800x600Das tut gut und setzt neue Kräfte frei.

Mit einigen Ausnahmen bin ich eigentlich nicht an meine Grenzen gegangen. Trotzdem bin ich froh, dass es jetzt vorüber ist und ich ausruhen kann.

Mein Tag geht weiter mit Locker im Truck leeren, Hotel beziehen, wo ich zwei Nächte verbringen werde, Duschen und ‚Chic machen‘ für das Abschlussdinner in einem Club. Es gibt ein chices Dinner und eine Bildshow mit Beamer, die uns noch mal im Zeitraffer die gemeinsam verbrachten vier Monate vor Augen führt. Es gibt viel zu lachen, erkennen wir uns doch alle in den heftigsten und lustigsten Momenten wieder.

Danach habe ich Lust zu tanzen und nehme den letzten Shuttle um 0:30 Uhr.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Süd Afrika veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s