29.04.2013 Beziehungskisten

Paare und Beziehungen

Schon ziemlich früh auf der Tour frage ich Hubert:‘ Kannst du dir vorstellen, dass deine Frau hier mit dabei ist?‘ Hubert: ‚ Vorstellen kann ich es mir schon. Aber lieber nicht.‘ Da sind wir uns ja einig. Ebenso mit den meisten anderen Teilnehmern, sonst wären sie ja nicht alleine angereist. Aber einige Paare gibt es dann schon.

Patricia und Wayne

Trish:’I jused to be a school-secretary‘. Wayne:’My favourite hobbies are biking and icehockey‘ sind aus Kanada und Mitte fünfzig. Die beiden teilen sich ein kleines Zelt und wenn Trish aufräumt, muss er immer vor dem Zelt warten. Allein das finde ich schon konfliktreich.

Tracy und Chris

…sind aus Australien und wollen im Sommer heiraten. Also, wenn’s hier nicht klappt, wäre das die letzte Möglichkeit auszusteigen.

Naomi und John

…haben ihre Existenz in England aufgegeben und sich dem Radeln verschrieben. Ob das gut geht? Naomi ist ein kleines Naivchen und hat mit dem schwarzhäutigen Model nur den Vornamen gemein (gemein!). John ist ein aufbrausender Bollerkopf. Als ich mein Zelt mal dort aufgestellt habe, wo er seins gern gehabt hätte, kommt im folgenden Fluch bestimmt zehnmal das Wort ‚fu…ing‘ vor.

Lizzy und Alistair

…sind ein liebenswertes englisches Pärchen. Sie haben ein Hilfsprojekt für Afrika gegründet und sammeln radelnd Gelder.

Sylvia und Kevin

…haben sich hier kennengelernt und werden wohl ein Paar werden. Sylvia sollte nach ihrer Rückkehr eine neue Stelle als Oberärztin in Zürich antreten. Dann verliebt sie sich in Kevin, den kanadischen Feuerwehrmann und kündigt ihre Anstellung. Einen Honeymoon auf Sansibar haben sie schon hinter sich. In Lusaka haben sie die Tour endgültig verlassen. Sie wollen sich je einen Monat ihren Eltern und Freunden in der Schweiz und Kanada vorstellen und dann möchte Sylvie für immer (?) in Kanada arbeiten. Viel Glück dem jungen Paar (ich schätze beide auf Ende Dreißig).

 

Natürlich gibt es noch weitere Baggereien und Flirtversuche, wenn auch nicht so erfolgreiche wie die zuletzt genannten. Doch da schweigt des Erzählers Höflichkeit.

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29.04.2013 Teil I der „Diamond Coast“

Freitag, 26.04. von Windhoek nach Weißenfels 114 km 1300 HM

Heute beginnt der letzte Abschnitt der Tour, ‚Diamond Coast‘ genannt, über 1732 km. Dennis nennt sie ‚eine der schönsten Zielgeraden der Welt‘. Ehrlich gesagt, hatte ich schon kürzere. Ich bin früher die Mittelstrecke gelaufen und da war die Zielgerade höchstens 100m lang.

Von der Küste werde ich nichts zu sehen bekommen, denn dazwischen liegt die Namib-Wüste. Mit 1000 km wartet die längste Offroad-Passage und noch mal eine echte Herausforderung auf mich.
Zum Frühstück heute fährt ein Taxi vor. Heraus steigt der Däne Klaus, auf Krücken gestützt. Es ist nichts mit seiner Wiedereingliederung. Er hat, wie Hubert, einen Beckenbruch. Auch seine zweite Tourteilnahme kann er nicht beenden. Wir umarmen uns und ich kann die Tränen nur schwer unterdrücken. Klaus ist ein sehr leiser Ex-Schulrat. Meist antwortet er nur mit ‚Yes‘.
Und ich dachte immer, dass sich deren Karrieren auf ihre Blubberei gründet. Vielleicht ist das in Dänemark anders wo auch leise Menschen ihre Chance bekommen.

Die Offroadpassage hat noch nicht richtig begonnen, da fegt es Sybille vom Rad. Sie trägt Verletzungen im Gesicht davon. Als ich ihr abends tröstend sage, dass bis zu ihrer Hochzeit alles wieder verheilt ist, fragt sie: ‚Welche Hochzeit?‘ Nicht immer gelingen meine Scherze.

Am Abend, nach getaner Arbeit, sitzen Roger, Volker und ich mit der Wirtin von Weißenfels bei einem Glas Rotwein zusammen. Sie erzählt in akzentfreiem Deutsch, obwohl sie noch nie in Deutschland war: Ihr Mann sei aus Südafrika, sie sei Herrin über 130 Pferde und 200 Rinder, früher habe es hier noch Elefanten, Nashörner und Giraffen gegeben, geblieben seien aber noch einige Leoparden, die schon mal ihre Tiere reißen, auch gebe es Diebe, die ihre Rinder stehlen, aber sie könne sich kein anderes Leben als das ihre hier vorstellen.

Samstag, 27.04. von Weißenfels nach Solitaire 124 km 577 HM

Wir klettern über den Spreetshooge-Paß und blicken in die Tiefe.

IMG_9408_1400x1050Zunächst nur Staunen, dann hört man: ‚Wow, awesome, incredible, crazy‘: Unter uns breitet sich die Wüste Namib in ihrer ganzen Schönheit aus. Staunen, Verweilen und Fotos machen, dann geht’s weiter.

Der nächste Stopp ist im Gecko-Camp. Hier hat sich ein Schweizer Paar niedergelassen. Er stellt Messer her und sie Schmuck. Ob das reicht? Sonst gibt es nichts rundherum: nur Sand, Steine und Sonne. Ich unterhalte mich kurz mit der Schweizerin und auch sie macht einen zufriedenen Eindruck. Mich zieht es in unser Camp Solitaire. Hier soll es eine deutsche Bäckerei geben. Und tatsächlich: mehrere Brotsorten und bestimmt 20 Kuchen- und Teilchensorten. ‚Wer kauft hier sonst?‘ frage ich mich. Ist mir aber egal. Ich kaufe Apfelstrudel und zeige auf ein Teilchen: ‚Schweineohr‘ sagt die schwarze Verkäuferin. ‚Yes, Schweineohr‘, bestätige ich.

In all diesen einsam liegenden Camps finden sich Leute ein, die die Einsamkeit suchen und plötzlich ist es nicht mehr einsam. Es ist eine ganze Tourismusbranche, die auf diese Cowboy-Masche abzielt.

Sonntag, 28.04. von Solitaire nach Sesriem 85 km 295 HM

Hier wird ein Restday eingelegt, um uns Gelegenheit zu geben, die 60 km entfernte Sossou svlei-Düne zu besteigen. Ich besteige keine Düne, sondern verbringe den ganzen Tag in der vornehmen Sossousvlei-Lodge, in die sich Roger einquartiert hat, da es ihn schon vor drei Tagen mit einer Magen-Darm-Geschichte übel erwischt hat. Seitdem fährt er auch nicht mehr Fahrrad. Mir zeigt es, wie schnell es einen außer Gefecht setzen kann.

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29.04.2013 auf dem Kalahari-Highway

Dienstag, 23.04. von Buitenpos nach Witvlei 162 km 441 HM

Buitenpos ist nur ein lausiger Grenzposten, an dem nicht einmal die aufsässigen Geldtauscher auftauchen. Unsere erste Stadt in Namibia ist Gobabis nach 109 km. Eine deutsche Bäckerei soll es hier geben. Gibt es aber nicht mehr. So gehen Roger, Volker und ich in den Sparmarkt mit einem ähnlichen Angebot. Ein Stück Schokoladentorte, einen Joghurt-Eistee und einen Kaffee ziehe ich mir rein. Und ich könnte noch endlos weiteressen und trinken. Aber wir müssen weiter und fahren jetzt auf dem Trans-Kalahari-Highway. Von der Kalahari-Wüste ist nicht allzu viel zu sehen. Es ist allerdings wieder heiß.

IMG_9361_1600x1200In Witvlei campen wir auf einem Grundstück der Gemeinde. Wie ein Bush camp, also ohne Duschen. Das letzte Bush camp bis Kapstadt, tröstet uns Ciaran. Also greife ich zur Fahrradflaschendusche: Ich fülle meine beiden Fahrradflaschen und verschwinde hinter den Büschen. In all den Wochen habe ich es gelernt, mit diesen 1,5 Litern eine Ganzkörperdusche, inklusive Haarwäsche durchzuführen.

Ich beobachte, wie Jay-Jay, unser Radmechaniker, und Yannez (er stellt sich in Kairo vor mit:’I’m the kitchen-bitch‘) ein Lagerfeuer vorbereiten. Nein, kein richtiges Lagerfeuer, es hat eher Menschengestalt. Beim Abendessen erfahre ich, dass das ein amerikanischer Brauch ist und ‚Burning Man‘ heißt. Bevor der gute Mann aber in Flammen aufgeht, werden ihm noch zahllose Zettel mit guten und bösen Wünschen zugesteckt. Es ist ein schönes Lagerfeuer, das mit Liedern und Gitarre spielen ausklingt.

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Mittwoch, 24.04. von Witvlei nach Windhoek 159 km 861 HM

Aha, wir kommen wieder in die Berge. Das Höhenprofil nimmt deutlich zu. Das ist mir aber egal; nur nicht mehr solch eine platte Langeweile wie in Botswana. Es ist nicht mehr weit bis in die namibische Hauptstadt, da sehen wir eine Art Zirkuszelt neben der Straße. Nein, es sieht eher aus wie ein spanischer Stierkampf. Zuschauer und Stiere sind vorhanden. Nur, wo ist der Torero?
IMG_9376_1400x1050Der steht oben auf einem Podest und schreit im Stakkato, bis sein Kopf rot anschwillt. Es ist eine Viehauktion, bei der die Viecher einzeln oder in Gruppen herein getrieben werden.

IMG_9377_1400x1050Roger und ich nehmen Platz. Der Auktionator bemerkt uns und fragt, ob wir Deutsche sind. ‚Schweizer und Deutsche‘ verbessert Roger. ‚OK, sagt der Auktionator, dann mache ich auf Deutsch weiter.‘ (Vorher war es Afrikaans) Jetzt rasselt er seine Zahlen in affenartiger Geschwindigkeit auf Deutsch runter. Am Ende klettert Roger noch für ein Erinnerungsfoto zu ihm hoch. Mit einem deutschsprachigen Farmer kommen wir ins Gespräch. Er wohnt in der dritten Generation hier und hat seine Wurzeln in Göttingen.
Auf dem Weg sehen wir noch eine afrikanische Version der Bremer Stadtmusikanten.

IMG_9379_1400x1050In Windhoek kommen wir an einem deutschen Friedhof vorbei. Die Gräber sind zum größten Teil aus dem 19.Jahrhundert und die Inschriften total interessant für uns. Roger:‘ Die dürfen aber lange hier ruhen. Die müssen doch irgendwann mal ausgeruht haben.‘

Donnerstag, 25.04. Restday in Windhoek

Ein ziemlich edler Schuppen ist unser Camp in Arebbusch. Schickes Restaurant mit WiFi-Empfang. Da brauche ich mich nicht mehr großartig wegbewegen. Nur, irgendwie habe ich nicht mehr das Gefühl, in Afrika zu sein. Allein die schwarzhäutige Bedienung erinnert noch daran.

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26.04.2013 Botswana, Naturschönheiten und die Königsetappe

Windhuk, 25.04.
Ihr Lieben,
Anstatt mir Windhuk  näher anzusehen, habe ich heute fast den ganzen Tag den Text rekonstruiert, den ich überschrieben hatte. Hier das Elaborat.

Liebe Grüße

Kurt

Montag, 15.04. von Kasane ins Bush-Camp 172 km

Gestern, in Kasane, waren wir in einer Edellodge: Roger und ich erreichen das kurze Etappenziel. Er hält Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz und stürzt dabei mit dem Fahrrad über eine riesengroße Wurzel. Er schlägt hin und seitdem ist er sich nicht sicher, ob er eine gebrochene Rippe hat oder nicht. Mein Zelt schlage ich direkt am Sambesi auf. Ich bin nur durch einen elektrischen Zaun getrennt. Als ich den Grund für diese Vorsichtsmaßnahme wissen will, sagt man mir, dass schon mal gerne Krokodile und Elefanten vorbeischauen.

IMG_9267_800x600Am Swimmingpool genieße ich das erste gezapfte Bier in Afrika. Dort treffe ich auf Touristen, die ab Nairobi den gleichen Weg nehmen wie wir; nur eben im Bus. Einer berlinert: ‚ Jetzt ha ick so ville bezahlt un darf dafüa um fünfe uffstehn un jede Mahlzeit uffe Knie zu mia nehm.‘ Als ich ihm sage, dass es uns so ähnlich geht, nur dass wir dazu auch noch radeln, schüttelt er ungläubig den Kopf.

IMG_9270_800x600Von Kasane bis Maun begleitet uns der Elefantenmann: Ein alter, weißer Botswaner fährt in seinem Jeep Streife, das Gewehr direkt neben seinen Knien liegend. Er soll Sicherheit vermitteln und uns vor Angriffen der Dickhäuter schützen. Sie sind zwar die modernen Dinosaurier, doch weit weniger gefährlich. Sehen wir einen, bleiben wir in gebührender Entfernung stehen, machen unser Foto und fahren weiter. Ich sehe noch Strauße, andere sehen Zebras und Giraffen.

Das heutige Bush-Camp ist in seiner Schlichtheit nicht zu überbieten. Es gibt nichts. Keine Dusche, kein Bier. Dafür darf ich noch einen schleichenden Platten flicken. Als ich mit der Stirnlampe am Kopf und laut fluchend nach der Ursache im Reifen herumfingere, hat Sibylle (nicht meine) ein Erbarmen. Mit ihren geschickten Frauenhänden findet sie den Draht sofort. Diese Drähte sind die häufigste Ursache für Reifenpannen. Sie sind Relikte von geplatzten LKW-Reifen, die bis auf die Karkasse abgefahren werden.

Erst neulich schlug mir bei einem überholenden PKW so ein Geschoß ans Bein. Ich dachte, es sei ein Stein. Wenig später überholte ich den PKW-Fahrer, der verdutzt auf seinen zerfetzten Reifen blickte.

Dienstag, 16.04. vom Bush-Camp nach Nata 146 km

Mittwoch, 17.04. von Nata ins Bush-Camp 182 km

Als ich, noch zu Hause, Dennis frage, wie das in Afrika mit der Orientierung so geht, sagt er:
In Botswana ist das ganz leicht. Du fährst 400 km geradeaus. Dann kommt eine Rechtskurve und du machst nochmal 800 km und du bist durch.‘

Genau an dieser Rechtskurve befinden wir uns heute Morgen. Ein Menschenauflauf, Polizei und Ambulanz. Ich sehe einen gelben Helm, der zu Klaus gehört. Der Arme ist, von einem Tieflader gestreift, zu Boden gestürzt und auf seine neue Hüfte gefallen.
In Maun sehe ich ihn in einem Rollstuhl sitzend wieder. Er ist zuversichtlich, ab Windhuk wieder mitfahren zu können.

Donnerstag, 18.04. vom Bush-Camp nach Maun 136 km

Freitag, 19.04. Restday

Die Etappen vor den Restdays sind immer anstrengend, da ich ausgelaugt und kaputt bin. Doch die Aussicht auf den freien Tag hilft, die Schmerzen zu überwinden. Ich freue mich auf Maun, das Zentrum im Okavangodelta, eine wasserreiche Gegend und ein großes Wildreservat. Nachdem ich fertig bin mit Wäsche waschen und Blog schreiben, werden Roger, Volker und ich zu einem Helikopterflug abgeholt.

IMG_9315_640x480Der südafrikanische Pilot erwartet uns zu einem einstündigen Flug über das Delta. Es wird eine luftige Angelegenheit, denn Türen hat der Heli nicht. Atemberaubend ist es auch und eine tolle Ergänzung zu unserer ersten Safari.

IMG_9304_640x480Büffel sehen wir zu Hunderten, dazu Pelikane, Zebra-, Giraffen- und Elefantenherden. Ein riesiges Buschfeuer sehen wir leider auch. Wenn der Pilot das Fluggerät bis auf 5 Meter hinab steuert, dann umklammere ich meinen Sitz etwas fester.

Roger gefällt es hier so gut, dass er eine Safari bucht und uns zwei Tage später mit dem Bus nachreist.

Samstag, 20.04. von Maun ins Bush-Camp 157 km

Sonntag, 21.04. vom Bush-Camp nach Ghanzi 140KM

Meist fahre ich jetzt alleine durch eine flache, langweilige, fast menschenentleerte Landschaft. Es gibt keine neue Nahrung für die Augen und die Sinne. Meine Gedanken sind alle aufgebraucht und ich schalte auf ‚Stand-By‘ Modus.

IMG_9342_1600x1200Auch die Straße erfordert keine allzu große Aufmerksamkeit. Der Asphalt ist rau und fast ohne Löcher. Manchmal schließe ich mich einer Fahrerformation an, und trainiere schon mal den Wechsel beim Fahren. Jetzt gelten meine Gedanken schon dem morgigen Tag, an dem die Königsetappe mit 207 km ansteht. Mir ist klar, dass diese Hammeretappe nur gemeinsam zu schaffen ist. Doch es soll ganz anders kommen.

Unsere schicke Lodge in Ghanzi liegt 3 km abseits der Straße und der Weg führt durch tiefen Sand, durch den ich mein Fahrrad mehr trage als schiebe. Nach der Hälfte der Strecke steht, wie zum Hohn, ein Schild mit der Aufschrift: ‚Almost Arrived‘.

IMG_9348_1600x1200Im Camp macht sich Unmut breit, denn auch die anderen haben gemerkt, was morgen auf dem Programm steht:

  1. Das Velo 3 km durch den tiefen, tiefen Sand schieben
  2. mal eben 207 km abspulen
  3. Grenzübergang nach Namibia ins Camp und das alles vor einsetzender Dunkelheit

Für mich ist das fast unmachbar. Ich liege schlaflos in meinem Zelt und tüftele einen Plan aus. Vorher sage ich noch Caroline Bescheid, sie möge mich um 4.30Uhr wecken (einen Wecker habe ich nicht).

Montag, 22.04. von Ghanzi nach Buitenpos (Namibia) 207 km

Ich schlafe schlecht und wache schon lange vorher auf. Schnell verstaue ich meine Klamotten im Locker, schlürfe noch einen heißen Kaffee, der wunderbarerweise schon bereitet ist, packe mein Fahrrad und mache mich auf den Weg. An dieser Stelle bin ich meinem Raderbauer Uli dankbar, dass er mir eine Lichtanlage spendiert hat, denn sonst hätte ich mich verlaufen.

IMG_9347_1600x1200Ich fühle mich wie ein Dieb. Verstoße ich gegen das TdA-Reglement? Nein, entscheide ich, denn ich schiebe ja mein Rad. Plötzlich taucht ein Schwarzer vor mir auf und leuchtet mir mit der Taschenlampe ins Gesicht. ‚Geld, Fahrrad oder Leben!‘

Nein, es ist nur die Lodge-Wache, die mir freundlich das Gatter öffnet. Als ich auf der Straße stehe, schickt die Sonne gerade ihre ersten Strahlen über den Rand des Horizonts. Voller Elan schwinge ich mich aufs Rad und strampele was das Zeug hält. ‚Verflucht ist das kalt.‘ Ich fahre einhändig und puste die andere Hand warm. Stundenlang strampele ich wie in Trance. Erst kurz vor dem Lunch-Stop bei km 79 holen mich die ersten ein, die sich wundern, wie weit ich schon gekommen bin. Weiter geht’s- alleine. Die Formationen, auf die ich treffe, sind entweder zu schnell oder zu langsam. Um 16.15 Uhr erreiche ich völlig ausgepumpt und leer die Grenze. Ausreise: Botswana – Einreise: Namibia und nur noch 1km bis zum Camp. Hier begrüßt mich Roger, der mich aus dem Bus freundlich winkend grüßte, mit einem kühlen Bier.

IMG_9361_1600x1200Kaputt aber zufrieden baue ich das Zelt auf. Beim Abendessen brauche ich heute mehrfach Nachschlag. Ein paar Radler treffen erst jetzt ein. Es ist schon dunkel. In dieser Nacht schlafe ich besser. Zum Undank müssen wir morgen eine Stunde eher aufstehen. Namibische Zeit!

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25.04.2013 leider ist der Bericht für den Blog nicht angekommen

25.04,2013

Kurt ist in Windhuk angekommen und genießt seinen Restday. Er schreibt in einer Mail, dass es dort toll ist, dass allerdings die von ihm für den Blog angefertigten Berichte leider verschwunden sind. Wir müssen uns also vorerst mit den Botswanabildern zufrieden geben.

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25.04.2013 Gastkommentar von Tim

Tims Gastkommentar

Mit reichlich Verspätung möchte ich nun auch noch meinen kurzen Eindruck von der Tour d’Afrique im Allgemeinen und der Zambezi-Zone im Speziellen zum Besten geben.
Dem Vorbild meines neuen Blogger-Idols folgend, reiße ich nur kurz einige Themenbereiche an und versuche gar nicht erst, den Anspruch auf Vollständigkeit oder chronologische Genauigkeit zu erheben.

Auf dem Velo

Die Anfeuerungsrufe der Kinder erinnern mich an die Motivationsspritzen der Sambagruppe beim Höxteraner Altstadtlauf oder die Kölschen Lieder beim Bickendorfer Büdchenlauf. Aber die Intensität der unzähligen Kinderrufe „How are you“ oder „Mzungu“ (Weißer) motiviert mich vor allem an den ersten Tagen ungemein beim Radeln.
Die letzten Tage vor den Vic-falls führen uns durch eher menschenleere Landstriche, so dass man jetzt ohne externe Anfeuerung auskommen und bei 44° C in der Sonne die Zähne deutlich mehr zusammen beißen muss.
Bei der Bergetappe mit 1.600 HM am vierten Tage hänge ich mich vormittags an den Hinterreifen vom Tourältesten Volker (70 und ehemaliger Triathlon-Weltmeister). Auch wenn ich deutlich Mühe habe, bei den Steigungen mitzuhalten, lohnt es sich, da er mir als absolutem Velo-Novizen wertvolle Tipps gibt.
Nach dem Mittagessen muss ich ihn dann doch ziehen lassen und gehe es in gemütlicherem Tempo mit Roger und Kurt an.
Am vorletzten Tag auf der 182 km-Etappe quäle ich mich alleine und gehe bzw. strampele die letzten 60 km auf dem Zahnfleisch. 5 km vor dem Ziel sehe ich einige hundert Meter hinter mir das blaue Trikot von Volker ansausen, er muss wohl heute irgendwo eine längere Pause eingelegt haben…
Der Ehrgeiz packt mich und ich trete wie ein Verrückter in die Pedale, doch er kommt immer näher. Mit letzter Kraft rette ich meinen knappen Vorsprung dann doch noch ins Ziel. Volker rollt locker ins Ziel und meint anerkennend „Starkes Finish“ und ergänzt dann aber noch: „… in 2 km hätte ich dich sowieso gehabt“.
So hat man dann doch auch im hinteren Fahrerfeld kleine Rennerlebnisse, selbst wenn man einige Stunden nach den echten Racern ankommt.

Die Mitstreiter

Michael: Lauscht abends mit seinem BBC Weltempfänger am Ohr stundenlang den Ergebnissen aus der  Premier League und fiebert mit seinem Team, dem FC Whatford, mit.
Din: Verkörpert die typische Frohnatur von Antje Pikantje, vermietet ihr Haus an der Nordseeküste (wobei sie gleichzeitig im Wohnwagen haust, der in ihrem Garten steht), legt unerwartete Gesangseinlagen beim Wäschewaschen auf dem Campingplatz ein und ist die Empathie in Person.
Roger: Hält die Fahne der Eidgenossen nach Huberts bedauerlichem Ausscheiden hoch, erfreut uns mit seinen Musik-quizzes von seinem I-phone sowie diversen Dia-shows und obendrein ist er ein idealer Sparring-Partner für Kurts literarische Ergüsse.
Anne (Äähn): Hat den liebenswertesten Kiwi-Akzent überhaupt und glänzt durch konstanten Optimismus, obwohl sie oft genug die rote Laterne des Fahrerfelds trägt.
Victor und Theo (alias Marc van Bommel) aus Nijmegen: Beide fahren auch „nur“ die Zambezi-Zone, haben ein ähnliches Tempo, sind abends beim Bier anzutreffen und somit ist es kein Wunder, dass wir uns schnell, den deutsch-niederländischen Fußballabgründen zum Trotz, anfreunden.

Mehr als wohnlich
Die Zeltplätze sind meist verhältnismäßig  gut ausgestattet: Dusche (teils nur 1 für 50 Leute), ab und zu ein Pool, Bar mit kaltem Bier, etc. Wie schon in vorherigen Schilderungen erwähnt  wurde, vermisste mein altes Pfadfinderherz etwas  die angekündigte Romantik der absoluten Wildnis.  Bald kam ich dann doch noch auf meine Kosten und meine früheren Reisegefährten wissen, was ich meine, wenn ich den Zeltkomfort mit folgenden Worten abschließend zusammenfasse: „mehr als wohnlich“.
Alles in allem waren es intensive zwei Wochen, dominiert von sportlicher Herausforderung, gespickt mit tollen Eindrücken und gekrönt von den beeindruckenden Viktoriafällen.

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19.04.2013 Obstarten und elefantöse Hindernisse

Figurprobleme

Haben wir die wirklich? Bei dieser Tour, die uns in vielerlei Hinsicht an Grenzen führt, sollten wir andere Probleme haben als die eitle Beschäftigung mit der Figur. Doch weit gefehlt. Figurprobleme werden echt diskutiert, vor allem von der femininen Seite. Anstatt glücklich zu sein über den Gewichtsverlust, wird die Verschiebung von einer Apfel- zu einer Birnenfigur beklagt. Was das ist? Die Ärmchen sind abgemagert, die Heldenbrust mutierte zu einer Hühnerbrust. Von den Frauen wird das Schrumpfen des Busens als Katastrophe empfunden, da letzterer bei den Radlerinnen ohnehin nur mäßig vorhanden ist. Statt dessen bilden sich die unteren Extremitäten mit jedem Tag stärker heraus. Bei einer sportanatomischen Messung könnte man ohne weiteres das Absinken des Körperschwerpunktes um einige Zentimeter feststellen. Von daher Birne. Natürlich erreichen wir nicht die Idealform von unserer Altkanzlerbirne, bevor sie zu ihrer jährlichen Fastenkur an den Wolfgangsee aufbrach.

P.S. Vor meinem Helikopterflug wurde ich gewogen und konnte zufrieden einen Gewichtsverlust von 4 kg konstatieren. Dabei ist mir die Obstart ziemlich schnuppe.

 Elephant Highway

 …heißt der neue Tourabschnitt von Livingstone nach Windhuk und führt über 1541 km hauptsächlich durch Botswana. Irgendwie hat sich herumgesprochen, dass es flach und öde werden würde. Immerhin haben uns bei den Viktoriafällen 12 Leute verlassen und kein einziger ist hinzugekommen.

IMG_9250_800x600Der Verlust der echten Exotik Afrikas hat schon südlich des Äquators eingesetzt. Tansania und Malawi waren von der Landschaft her die bisherigen Höhepunkte. Kathi und Tim konnten in Sambia noch die begeisterungsfähigen Menschen entlang der Straße erleben. Ab Lusaka ist es deutlich ruhiger und Botswana wirkt beinahe ausgestorben. ( Jemand sagt, Botswana habe unter 2 Millionen Einwohner und eine Aidsquote von 80%. Klingt eher unwahrscheinlich).

Also düsen hier die Elefanten über die Autobahn? Auch das stimmt nicht ganz. Sie queren sie an einigen Stellen – aber das spektakulär. Denn die Straße ist vollgesch…und gepink…von ihren Exkrementen (O.K: der Fachausdruck heißt ‚Losung‘). Volker, der Jäger ist, sagt, die Straße ist der einzige Ort, an dem sie nichts zum Fressen finden und vor lauter Langerweile entleeren sie sich hier. Ihr solltet mal die enormen Haufen sehen. Die können einen Radfahrer zum Straucheln bringen.

065

 Sonntag, 14.04. von Livingstone nach Kasane 81KM

Bei km 71 erreichen wir den Sambesi und übersetzen auf einer Fähre. Auf der anderen Seite ist schon Botswana. Erstmals zahle ich kein Geld fürs Visum.

Es beginnt gar nicht langweilig. Schon nach wenigen Kilometern stehen viele junge Männer um einen Baum herum und starren nach oben. ‚A snake, a snake‘ rufen sie.
IMG_9226_800x600Ich parke meinen Drahtesel und starre auch nach oben. Alle wollen mir die Schlange zeigen, doch ich kann sie im Geäst zunächst nicht ausmachen. Für mich ist nicht die Schlange gefährlich, sondern die zurückprallenden Steingeschosse, die sie mit Zwillen (Steinschleudern) abfeuern. Als die Schlange getroffen wird, lässt sie sich herunterfallen und will sich davonschlängeln. Doch sie hat keine Chance, da sie die Jungen mit tödlichen Stockhieben weiter traktieren.
Als sie ganz sicher sind, dass die Schlange tot ist, hält sie einer hoch und hängt sie dann an einen Pfahl, wo schon eine andere tote, die gestern das Zeitliche gesegnet hat, baumelt. ‚For sale‘ steht da geschrieben.

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