19.04.2013 Victoriafälle

Victoria-Falls

IMG_0996Hier gibt es viele Abenteuer zu bestehen. Ganz in Livingstone’s Sinn, nach dem die Stadt hier benannt ist. Ich lade Kathi, Tim und mich ein und wir haben die Wahl zwischen dem echten Bungee-Jump kopfüber, oder mit den Füßen zuerst von der Sambesibrücke. Das finden wir ziemlich blöd. Müssen aber eingestehen, dass das Spektakel, als wir einige von den unseren beobachten, ziemlich groß ist. Wir hatten uns eigentlich auf ‚Canyoing‘ geeinigt. Wenn man aber die Wasserfälle und Stromschnellen sieht, ist auch klar, dass wir dabei keine realistische Überlebenschance haben. Ich glaube, ich habe mich verhört und die haben ‚Canooing‘ gesagt. Als wir dann die aufblasbaren Kanus sehen, die auf einem See daher dümpeln, finden wir dies auch zu unspektakulär und wir einigen uns auf einen Helikopterflug.

IMG_9214Der dauert nur 15 Minuten. Wir fliegen dabei die Victoria-Falls von allen erdenklichen Seiten an uns sind sprachlos über das, was wir sehen. Tim ist Co-Pilot, Kathi und ich sitzen in der Kabine. Danach besuchen wir noch den Viktoria-Falls Nationalpark, wo wir den Sambesi 70-110 Meter tief in die Schlucht stürzen sehen. Die integrale Dusche bis auf die Haut ist dabei inbegriffen. Für den Flug und den Nationalpark haben wir extra die Seite und das Land gewechselt, nämlich von Sambia nach Simbabwe, von wo wir eine bessere Sicht auf dieses Naturereignis haben.

Als am nächsten Tag Kathi wieder in ihre Wahlheimat Kongo aufbricht und Tim nach Köln zurückjettet, müssen sich die beiden von vielen verabschieden. Sie haben sich viele Freunde gemacht, was für ‚Sectional-Rider‘ nicht so leicht ist, da sie eine festgefügte Gemeinschaft vorfinden. Mir macht man mehr als einmal das Kompliment: ‚Köört, you’ve got very nice and decent children‘. Da ich aber nur für ein Kind und auch da nur zur Hälfte verantwortlich bin, gebe ich das Kompliment gerne weiter.

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12.04.2013 Weitere Ereignisse

Was sonst noch alles passiert ist

  • Schon seit Kenia fahren wir auf der linken Seite und das bleibt auch so bis Kapstadt.
  • Allerorten ist der Einfluss der Engländer deutlich zu erkennen: In Äthiopien hatte ich meinen letzten Kaffee-Stopp. Hier gibt’s nur löslichen Kaffee, bestenfalls Tee und zum Frühstück gibt’s nur noch Toastbrotpappe. Auch der Küchenchef John kündigt an, dass wir uns auf ‚restrictions‘ einzustellen haben, die mit der schwierigeren ‚food‘-Beschaffung zu tun haben. Ich freue mich schon auf die leckeren Brötchen von Feldhaus.
  • Sandy ist zurück. Ihr wisst schon: das ist die ältere Dame in Samtpumps, die zu ihrem von der Leiter gestürzten Ehemann nach Kanada zurückgekehrt ist. Ich hielt dies für einen eleganten Abgang. Sie sagt: Ganz sei ihr Mann noch nicht genesen; doch sie hat ihn einfach für gesund erklärt. So kann ich mich in den Menschen irren.
  • Hubert hat nach wie vor seine Fangemeinde, die auch nach seinem traurigen Abschied nicht kleiner geworden ist. Es geht ihm gut – trotz 3-maligem Beckenbruchs und 12 gebrochenen Rippen. Er hat am Aegeri See seine Reha angetreten und fliegt nach 2 Wochen nach Washington zurück. Dort lebt er und arbeitet in der Schweizer Botschaft. Weiterhin: Gute Besserung, Hubert!
  • Ich vergaß zu erwähnen, dass Stig, ein Nord-Norweger in einer schlammigen Offroad-Passage in Tansania vom Fahrrad gestürzt ist: Schlüsselbeinbruch – er fliegt nach Hause – nach 2 Wochen ist er zurück – und fährt weiter als sei nichts gewesen.
  • Die Belgierin Caroline hat nach ihrem Unterarmbruch 4 Wochen ausgesetzt. Sie ist – selbst Lehrerin – zunächst in Arusha zur Schule gegangen und hat Kiswaheli gelernt. Dann hat sie Urlaub gemacht und ist inzwischen auch wieder dabei. Sie hat jedoch noch Schmerzen.
  • Für Jan Thygusen, den netten Kanadier mit der schweren Zunge, ist die Fahrt jedoch zu Ende. Bei der Ausfahrt aus Lusaka, als auch mich ein Pickup streifte, kam ihm ein Geisterfahrer auf dem Fahrrad entgegen, dem er nicht mehr ausweichen konnte. Nach dem Crash sieht er verwirrt aus und gibt auch nur verwirrte Antworten auf einfache Fragen. Diagnose: Schlüsselbeinbruch. Er hat sich schriftlich von uns verabschiedet.

EFI – eine kapriziöse Kurtisane

Alle möchten gerne EFI haben und am Ende die Medaille in die Höhe halten. Doch der Weg ist weit und die Gefahren warten in jedem Schlagloch, mit jedem unvorsichtigen Moment und mit jeder Reifenpanne an einem langen Fahrtag. Auch die 3 zuletzt erwähnten Fahrer waren auf EFI-Kurs – und plötzlich ist alles vorbei.

Von den 51 in Kairo gestarteten ‚full tour ridern‘ sind nur noch 18 EFIs übriggeblieben. (Zahlen sind aus 2. Hand – keine Garantie)

Und es sind noch über 3.000 KM bis Kapstadt.

Nicht nur die Revolution frisst ihre Kinder, sondern auch die Tour d’Afrique.

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12.04.2013 Schwerstarbeit für Biker u. ihre Schutzengel

Schutzengel, gibt’s die?

Kurz vor meiner Abfahrt in Beverungen schenkt mir Kathis Mutter Hildegard noch einen kleinen weißen Engel aus Gips und sagt: „Der beschützt dich auf deiner Fahrt“.

Nun wäre ich von selbst nie darauf gekommen, mir eine solche Art von Versicherungsschutz zuzulegen. Doch bin davon überzeugt, dass ich mich nicht genug schützen kann bei dieser gefährlichen Reise. Also findet der unbenannte Engel sein Refugium in meiner Lenkertasche. Er ist ein zäher Bursche, ist ihm doch noch keins seiner Engelinsignien abgebrochen. (Eine Banane überlebt in dieser Tasche keine halbe Stunde. Und das letzte Opfer sind meine Schmerztabletten, die sämtlich aus ihrer Staniolstanze herausgebrochen sind). Mein Schutzengel ist nicht der afrikanischen Sonne ausgesetzt, trotzdem nimmt er immer mehr die Farbe der maximal pigmentierten Urbevölkerung Afrikas an.

Doch heute hat der Engel Schwerstarbeit zu verrichten. Lest weiter!

Dienstag, 09.04. Von Lusaka ins Oasiscamp 158 km 1014 HM

Gut erholt brechen wir noch vor 7:00 Uhr in Lusaka auf, doch der Verkehr ist schon beträchtlich. Kathi jauchzt vor Vergnügen. Sie liebt den dichten Straßenverkehr, sagt sie. Mir ist schon etwas mulmig, weil diese motorisierten Fahrzeuge uns Radfahrer einfach nicht ernst nehmen. Deshalb fahren wir beide brav hintereinander. Und doch: plötzlich berührt mich ein Pickup am Arm. Glücklicherweise bringt es mich nicht zu Fall. Ich gucke nur verdattert und schaffe es nicht einmal, dem Fahrer meinen Droharm zu zeigen. Noch mal Glück gehabt. Wir fahren weiterhin vorsichtig. Doch dann, der Lunchstop liegt noch nicht lange hinter uns, überholt uns ein Taxivan. Mich trifft nur der Windstoß, doch Kathi berührt er und wirft sie zu Boden auf die Straßenseite. Sie hat gottseidank keine Klick-Pedale und springt schnell wieder auf. Eine kleine Schramme am Arm und ein verbogener Lenker und eine demolierte Schaltung sind die Schäden. Doch der Schrecken sitzt tief. Der Taxifahrer hat angehalten und kommt angelaufen. Hinter ihm ein nicht enden wollender Menschenstrom. Der Fahrer zeigt Mitgefühl und ist hilfsbereit.

Kathi sagt: „Mamas Schutzengel ist für uns beide da.“

Kathi & Tim 2_800x600Heute glaube auch ich an Schutzengel!

Mittwoch, 10.04. von Oasiscamp nach Ruze Chalets, 182 km 777 HM

Wieder ein neuer Streckenrekord mit 182 km. Nie bin ich so weit geradelt. Und doch sind es immer nur vorläufige Rekorde, demnächst geht’s über mehr als 200 km. Und die Vorstellung, dass Afrika nur mit dem Kilimandscharo, dem Mount Kenia und dem äthiopischen Hochland Höhenprofile vorzuweisen hat, davon habe ich schon lange Abschied genommen. Irgendwie geht’s hier ständig rauf und runter.

Bei solch einer Tagesleistung ist man schon morgens nervös und hofft, dass man die Reise irgendwie schafft. Und tatsächlich: wir kommen alle drei gut an. Duschen, kaltes Bier und leckeres Essen sind die Belohnung. Als Krönung spendiert Roger noch eine Tafel Lindt-Schokolade, die wir mit dem Abendkaffee langsam im Mund zergehen lassen.

Kathi & Tim_800x600Es stellt sich jenes Gefühl der Zufriedenheit ein, dass man persönlich eine tolle körperliche Leistung vollbracht hat. Zum Einschlafen brauchen wir heute keine Bettgeschichte zum Vorlesen.

Donnerstag, 11.04. von Ruze Chalets nach Victoria Falls 151 km 495 HM

Gerne würden wir etwas schneller vorankommen, doch müssen wir dem körperlichen Verschleiß der letzten Tage Tribut zollen und kommen ziemlich am Ende unseres Trosses in Livingstone, an den Viktoriafällen an.

Abendessen am Sambesi_800x600Unser Camp heißt ‚Zambesi Waterfront‘ und tatsächlich: wir sitzen draußen am Lodge-Restaurant, direkt am Sambesi und sehen in der Entfernung die riesenhohe Gischt der Viktoriafälle in der Luft zerstieben. Wir essen saftige Steaks, trinken edlen südafrikanischen Wein und haben Eisparfait zum Nachtisch. Das haben wir uns verdient und werden es auch so schnell nicht vergessen. Wehmut kommt auf, denn für Kathi und Tim ist die Fahrt schon beendet.

 

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08.04.2013 Kathis Gastkommentar

Seit Monaten bin ich voller Vorfreude, mit Kurt und Tim das südliche Afrika mit dem Fahrrad zu erkunden. Kein Aprilscherz, am 1. April ist es endlich soweit: Ein Traum wird wahr!
Tim treffe ich am Gate in Johannesburg, gemeinsam fliegen wir nach Lilongwe, wo wir anschließend auf Kurt im Camp stoßen. Ich freue mich riesig über unser Wiedersehen!

Willkommensbier

Willkommensbier

Um zu verhindern, dass mir die beiden Schwietzkes davon radeln, bin ich im Januar in den Club der Radrennfahrer von Kinshasa eingetreten und bin Tag für Tag nach der Arbeit am Kongo-Fluss entlang gejoggt. Doch beim „Rider Meeting“ wird uns recht nonchalant verkündet, dass wir am ersten Tag 152 km zurücklegen sollen. So viele Kilometer bin ich noch nie in meinem Leben geradelt!!

1. Etappe

1. Etappe

Die Vorfreude und Motivation haben mich am ersten Tag die Zähne zusammenbeißen lassen, so dass ich tatsächlich gemeinsam mit Tim und Kurt das Ziel erreicht habe. Geschafft! Doch die Organisatoren haben kein Erbarmen: 176 km und 1.200 Höhenmeter stehen für den 2. Tag auf dem Plan. An diesem 2. Tag erreiche ich nach 11 Stunden auf dem Sattel als allerletzte kurz vor Sonnenuntergang das Camp. Zur Belohnung haben Kurt und Tim ganz gentlemen-like bereits mein Zelt (bzw. das von Hubert) aufgebaut und ein kühles Bier bereitgestellt.

Kathi im Camp

Kathi im Camp

Die weiteren Tage sind ähnlich anspruchsvoll, mein Kräfte und Schmerztoleranz lassen nach. Bei Tim scheint hingegen bereits nach dem 1. Tag ein Trainingseffekt einzusetzen; er ist nach wenigen Kilometern immer auf und davon. Kurt zeigt Mitgefühl und radelt zumindest die ersten 80 km mit mir, anschließend hängt auch er mich ab. Ich bin sehr beeindruckt von der Fitness der beiden, ebenso von der der anderen Radler.

Kurt scheinen weder die Strapazen des Fahrradfahrens noch die der Lebensbedingungen etwas aus zu machen, was ich sehr bewundernswert finde. Für mich als 2-wöchige „Gastradlerin“ ist das minimalistische Camp-Leben ein willkommenes Abenteuer, aber für 4,5 Monate eine ziemliche Herausforderung. Doch Kurt klagt nicht, er ist immer gut gelaunt, schlägt Tag für Tag leidenschaftlich sein Zelt auf, steigt jeden Morgen mit Freude auf seinen Sattel: „Good morning, Africa!“

Breakfast im Golf View Hotel

Breakfast im Golf View Hotel

Heute pausieren wir in der sambischen Hauptstadt Lusaka, um uns zu regenerieren und auf unsere Etappe zu den Viktoriafällen vorzubereiten. Übermorgen hat sich ein Radeltag mit einem neuen Rekord von 187 Tageskilometern angekündigt…

Ich freue mich sehr auf die verbleibenden Tage mit Kurt und Tim und bedauere, Kurt nicht noch weitere Wochen auf seiner Afrikatour begleiten zu können!!

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08.04.2013 Schießerei in Sambia

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Mittwoch, 03.04. von Lilongwe nach Chipata Gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Schon morgens um halb sieben stehen hunderte von Kindern am Straßenrand der malawischen Hauptstadt. Kathi und Tim staunen erst mal verdutzt, bevor sie nach einiger Eingewöhnungszeit routiniert … Weiterlesen

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Bildernachtrag zu Tanzania

Diese Galerie enthält 41 Fotos.

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02.04.2013 Restdays in Lilongwe

Montag,01.04. und Dienstag,02.04.
2 Restdays in Lilongwe

Besuch zu Ostern

Unsere Unterkunft heißt Mabuya-Camp, natürlich zelten. Es liegt ansprechend im Grünen – mit Swimmingpool.

Kleiner Exkurs: Als Kathi und Tim über Weihnachten in Beverungen weilten, haben wir im Wintergarten unser Zelt aufgebaut und haben zu dritt darin Probe gelegen. Positionsänderungen waren nur auf Kommando möglich: links-rechts -Rücken. Es war sehr lustig, jedoch kein echter Praxistest. In der Praxis fülle ich das Zelt nämlich mit meiner Riesentasche schon alleine aus.
Jetzt heißt es für den Besuch zusammenrücken.

Hubert’s Zelt ist noch hier und ich baue es für Kathi auf. Ab Mittag warte ich auf den hohen Besuch und bin aufgeregt. Doch der Besuch lässt auf sich warten. Plötzlich stehen Kathi und Tim vor mir und nennen den Grund ihrer Verspätung: Nach ihrer Landung in Lilongwe dürfen sie zunächst nicht aus dem Flugzeug. Sie sehen, wie ein roter Teppich ausgerollt wird. Jedoch nicht für sie, sondern für eine füllige Dame: die Staatspräsidentin von Malawi: Balda, die gerade von einem Besuch bei Obama aus den USA zurückkommt und in der gleichen Maschine saß.

Als alle Ehrbezeugungen vorbei sind, dürfen auch die beiden aussteigen.

Wir trinken ein Bierchen und danach richten sich die beiden im Camp ein und ich stelle sie den anderen vor. Abends gehen wir mit Roger indisch essen. Wir haben so viele Beobachtungen und Fragen und mit Kathi den richtigen Ansprechpartner für alle afrikanischen Fragen, dass es ein langer Abend wird. Der 2.Tag geht mit Bike zusammensetzen, Internet und Faulenzen drauf. Kathi ist total aufgeregt und kann gar nicht abwarten, dass es endlich los geht.

 

Empfehlenswert:
Tim bringt als wichtigstes Mitbringsel das gerade neu erschienene Buch ‚Tour d’Afrique‘ von Hardy Grüne mit. Gebunden und mit tollen Fotos gefällt es mir echt gut. Reinhard und Ludger waren schon bei seiner Buchvorstellung in Göttingen.

In der Vorbereitung auf meine Tour habe ich mich vor allem an den Blogs von Hardy Grüne und Dennis Kipphard orientiert. Man guckt: Was haben die für Räder? Wann beginnen sie mit der Vorbereitung? Wo hatten sie ihre Tiefs und Hochs? Und diese Orientierung ist total wichtig, wenn man so was noch nie gemacht hat.

 

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